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22. Juni 2011 | Phänomen an Grenze – Brüssel wird endlich aktiv

Wenn das Handy heimlich in die Schweiz umschaltet

Konstanz (gro) Vor allem in der Altstadt kennt man das: Auf einmal ist man mit dem Handy in einem Schweizer Netz. Da werden selbst Anrufe aus dem Nachbarhaus teuer, und das für beide Teilnehmer. Der eine muss zahlen, als würde er ins Ausland anrufen, dem anderen werden so genannte Roaming-Gebühren berechnet. Die Telefongesellschaften kassieren so überhöhte Gebühren; das Nachsehen haben die Gesprächsteilnehmer. Die Netzbetreiber diesseits und jenseits der Grenze schaffen es bis heute nicht, ihr Verbreitungsgebiet gegen einander ausreichend abzuschirmen. Dieses Dilemma hat unlängst Eingang gefunden in Deutschlands grösstes Nachrichtenmagazin. Brüssel will endlich gegen die Abzocke vorgehen.

287 Euro für 18 Megabyte Daten

„Der Spiegel“ berichtet von einem besonders krassen Fall („Kostenfalls für Touristen“, „Spiegel“ Nr.24, Seite 140). Es war ein Camper, der mit seinem Wohnmobil in Meersburg Station machte. Sein Handy vernetzte sich selbsttätig mit der nahen Schweiz, der Camper checkte seine E-Mails, surfte kurz – und sein Provider berechnete ihm später laut „Spiegel“ 287 Euro für gerade einmal 18 Megabyte an Daten. Der Camper empfand das, wie es im „Spiegel“ weiter heisst, als „bewussten Betrug“ und machte die Angelegenheit über Internet-Foren publik.

Künstliche Kleinstaaterei der Netzfunkbetreiber

Die mangende Abschirmung der Netze hat anscheinend Methode. Denn die Provider betreiben langst internationale Netze und können ihre Kunden ohne nennenswerten Kostenaufwand grenzüberschreitend bedienen. Mit anderen Worten: Die Grenzen werden genutzt für eine Form des Abkassierens, die vielfach Abzocke genannt wird. Kein Wunder, dass sich Brüssel jetzt einschaltet und gegen die „Kostenfalle für Touristen“ vorgeht. Angesichts der Tatsache, dass im so genannten Schengenraum zwischen Hammerfest, Gibraltar und Palermo die Grenzkontrollen weggefallen sind, wirkt das Verhalten der Mobilfunkbetreiber wie eine künstlich aufrecht erhaltene, privatwirtschaftliche Kleinstaaterei, die nur einem einzigen Zweck dient: Kohle zu machen auf Teufel komm ‘raus.




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2 Kommentare

  1. 1. Nabholz

    Man sollte halt mal die Gebrauchsanweisung seines Handys lesen, da steht nämlich drin, dass man sein Handy für einen festen Provider einstellen kann.Wer lesen kann, hat halt mehr vom Leben.

  2. 2. Tortuga

    Hier ist ein sachlicher Fehler: Der Anrufer muss nicht mehr zahlen, sofern dieser aus dem Festnetz anruft oder selbst noch beim Handy im Heimatnetz eingebucht ist. Er zahlt für einen Anruf auf eine Handynummer immer die gleiche Gebühr, egal ob sich der Angerufene im In- oder Ausland befindet. (Er kann dies auch nicht wissen.) Lediglich der Angerufene ist der “Dumme” und zahlt beim Empfang eine Roaminggebühr. Beim Anruf aus dem Fremdnetz wird es noch teurer.

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