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4. Juli 2011 | Hotel in Kreuzlinger Stadtmitte weiter zu haben

Der rote Teppich führt noch immer hoch hinauf

Kreuzlingen/Konstanz (gro) Es ist ein besonders schmuckes grosses Haus, und die mit einem roten Teppich belegte Freitreppe lädt ein zum Hochsteigen. Doch das „Swiss Vegan Hotel“ am Kreuzlinger Bärenplatz, das sich da so einladend und zentral gelegen präsentiert, ist seit einem halben Jahr geschlossen. Genau so lange ist es auch käuflich zu erwerben. 5,1 Millionen Franken (etwa 4 Millionen Euro) kostet das Schmuckstück, und man fragt sich in Immobilienkreisen, warum das Anwesen in bester Lage nicht längst neue Eigentümer gefunden hat.

Erst vor zwei Jahren aufwendig saniert

Die „Thurgauer Zeitung“ hatte anlässlich der überraschenden Schliesssung des stattlichen Hauses zu Beginn des Jahres die Vermutung verbreitet, das „Swiss Vegan“ habe aufgeben müssen, weil ohne tierisches Eiweiss nun mal kein (Hotel-)Geschäft zu machen sei. In der Tat lag es in der Absicht des neuen Eigentümers, der das Anwesen 2008 erworben hatte, dort ein Haus zu etablieren, das sich ganz und gar dem Veganismus widmet. Ideengeber war Ernst W. Henrich, promovierter Mediziner, Mitinhaber der Dr. Baumann Cosmetic AG in Staad bei Rorschach. Das Haus wurde 2009 aufwendig saniert, zudem wurde das Nebengenbäude an der Nordseite des Hotels in den Hotelkomplex integriert.

Keine Erfahrung mit Hotellerie und Gastronomie

Mit seiner Idee dürfte Henrich war grundsätzlich im Trend gelegen haben. Doch die Kunde vom streng veganisch geführten Hotel samt Restaurant drang nicht einmal bis nach Konstanz, und dies, obwohl sich gastliche Stätten dieser Art, in denen tierische Produkte bis hin zu Eiern, Milch, Käse und sogar Honig nicht auf den Tisch kommen, steigender Beliebtheit erfreuen. Kenner der Hotelrestaurant-Szene sind denn auch überwiegend der Meinung, dass das Scheitern des ehrgeizigen Projekts weniger der Idee geschuldet ist, als vielmehr der Tatsache, dass der Eigentümer weder Erfahrung mit Hotellerie noch mit Gastronomie mitbrachte und auch die geeigneten Fachkräfte nicht an Land ziehen konnte.

Das Transparent ist verschwunden

Monate lang und bis vor kurzem „zierte“ das prächtige Haus an der Kreuzlinger Hauptstrasse (Nr.72) ein schreierisches Transparent: „Zu verkaufen“. Das war gut gemeint, dürfte aber nicht eben verkaufsfördernd gewesen sein – und wurde unlängst folgerichtig wieder entfernt (denn nach lukrativen Immobilienobjekten sucht man heute schliesslich vor allem im Internet). Betraut mit der Vermarktung des attraktiv gelegenen Anwesens (Parkplatz gegenüber, zentral situiert, 6 Minuten in die historische Altstadt von Konstanz, 5 Minuten bis an den See, 4 Minuten ins Grüne) ist vor allem Gabriel Arcorace. Der in Wängi (TG) ansässige Immobilienspezialist (Arco Unternehmungen GmbH) wundert sich „sehr, dass sich trotz der Nachfrage zahlreicher Interessenten noch niemand definitiv für den kauf entschieden hat“.

… wenn auf dem Löwen-Areal eines Tages gebaut wird

Andere Spezialisten der Immobilienszene wundern sich weniger, sondern verweisen auf die „möglicherweise abwartende Haltung“ potenzieller Interessenten. Denn die Rückseite des „Swiss Vegan“ grenzt an das Löwen-Areal, wo ein grosses Projekt geplant ist, mit Wohnungen, Büros, Behörden und Ladengeschäften. Dafür fehlen noch einige Investoren. Die geplante Bebauung dürfte dem „Swiss Vegan“ (das übrigens problemlos in ein „normales“ Hotelrestaurant umgewandelt werden kann) eine Aufwertung (mehr Parkplätze und zusätzliche Zufahrt) bescheren. Bis dieses Projekt realisiert wird, könne es allerdings “noch etwas dauern”, sagt Arcorace.

Manchmal dauert’s eben etwas länger

Die Unsicherheit im Hinblick auf die künftige Ausgestaltung des Löwen-Areals, auch darauf weisen Immobilienspezialisten hin, eröffne „gewisse Verhandlungsspielräume im Hinblick auf Preisgestaltung und Finanzierung“. Gabriel Arcore, der aus Kalabrien stammende Geschäftsmann, hat sich “damit abgefunden, dass in der Schweiz manches eben etwas länger dauert“. Damit müsse man leben, und damit werde man zurecht kommen. In Konstanz jedenfalls, sagt Arcorace weiter, lasse man sich bei der Stadtentwicklung, wie er höre, „häufig wohl noch wesentlich mehr Zeit“. Bild: Erich Gropper




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