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26. September 2011 | Arnd Brummer im zdf-nachtstudio

„Es gibt eine evangelische Welt in der katholischen“

Konstanz/Mainz (gro) „Nicht das ,katholisch‘ ist das Problem, sondern das ,Römisch-Katholische‘“: Mit dieser Ausssage unterstrich Arnd Brummer, 57, im jüngsten zdf-nachtstudio am späten Sonntagabend seine antipäpstliche Haltung. Brummer ist Chefredakteur des Monatsmagazin „Chrismon“, das vor 11 Jahren aus dem evangelischen „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt“ hervorging. Helga („Baumstark“) Brummer-Kraft, die Erfinderin der alljährlich auf dem Bodensee kreuzenden Litera-Tour, hätte ihre Freude am mitternächtlichen TV-Auftritt ihres aus Konstanz stammenden Journalisten-Sohnes gehabt. Er verstand es, seine Rom-skeptische Sicht überzeugend dazulegen. Mütter Helga, die vor 5 Jahren 76-jährig das Zeitliche segnete, war in jungen Jahren Redakteurin einer katholischen Wochenzeitung.

Auch Rita Süssmuth diskutierte mit

Arnd Brummer war Gesprächsteilnehmer einer von Volker Panzer geleiteten Diskussionsrunde, mit der das ZDF den soeben absolvierten Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. zu später Stunde aufbereitete, vor allem im Hinblick auf die Ökumene, also auf die Bemühungen, die katholische und die evangelische Kirche zur einen grossen christlichen Kirche wieder zusammen zu führen. Unter dem Motto „Was heisst katholisch sein heute“ debattierten unter Panzers Moderation, neben Arnd Brummer, die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, der Papstbiograf Andreas Englisch, der Religionssoziologe Detlef Pollack und der Schriftsteller Andreas Altmann.

Brummer ergötzte durch genaues Wissen

Es ging über weite Strecken um Grundsätzliches, um die Sehnsucht nach Gott und Spiritualität, um die sich verändernde Welt und das sich immer wieder wandelnde Bild des Menschen von sich selber, ja sogar um den Sinn oder Unsinn des Glaubens an Wunder. Konkret zum vorgegebenen Thema wurde vor allem der aus Konstanz stammende Journalist. Zum einen ergötzte Brummer durch genaues Wissen, zum anderen verstand er es, mit anschaulichen Beispielen nah am Thema zu bleiben, indem er von Begegnungen mit „konkreten“ Menschen erzählte, etwa von einer jungen schwangeren Frau, die zwar bereit gewesen sei, das kirchliche Verbot der Abtreibung zur Kenntnis zu nehmen, im Hinblick auf eine Entscheidung aber auf die eigene Verantwortung und auf ihr eigenes Gewissen pochte.

Vom Geist des lutherischen Denkens

Eine Haltung wie die der jungen Frau entspreche dem Geist lutherischen Denkens, wie es „weit in der Fläche des Landes verbreitet“ sei, erklärte Brummer. Dazu zu zählen seien etwa die katholischen Gemeinden im Taunus, in denen ohne Pfarrer (weil es einen immer grösseren Priestermangel gibt) regelmässig Gottesdienste gefeiert werden; laut Brummer sind das typische „reformierte Gottesdienste“. Brummers Fazit: „Es gibt längst eine evangelische Welt in der katholischen.“

Nicht die Herrschaft macht die Kirche

Eine historisch-theologische Richtigstellung kam hinzu, als Brummer auf den immer wieder gehörten Vorwurf einging, Luther selbst habe den Papst als „Antichrist“ bezeichnet. Der Journalist entlarvte diese Behauptung als viel zu grobe Vereinfachung. Sie ist Luther nach einer Erklärung angelastet worden, mit der er 1528 die allgemeine Gültigkeit des Begriffs „Kirche“ erläutert habe. Wo immer Christen zusammen kämen, sei auch die Kirche, habe Luther gesagt; egal wer da oben herrsche, seien es Römer oder Türken, etwas anderes anzunehmen sei „antichristlich“. Davon abzuleiten, Luther habe den Papst als „Antichrist“ bezeichnet, ist demnach Blödsinn.

„Unchristlich ist die hierarchische Gewalt“

Unchristlich empfindet der Chefredakteur von „Chrismon“ die hierarchische Gewalt, die vom römischen Papstum ausgeht. Etwa dann, wenn einem Theologen von der Glaubenskongregation des Vatikans, bis ins späte 19. Jahrhundert Inquisition genannt, wegen romfeindlicher Auslegungen der kirchlichen Lehre die Lehrbefugnis aberkannt werden kann, was in einem solchen Falle einem Berufsverbot gleichkäme. Brummer erinnerte an einen Fall, in dem der heutige Papst als einstiger Vorsitzender der Glaubenskongregation ein solches Verdikt aussprach.

„Er bleibt Gottes Kind, da kann keine Kirche etwas ändern“

Arnd Brummer war ursprünglich Katholik, wuchs in einer katholischen Familie auf. Er konvertierte später zum evangelischen Glauben. Seine Mutter hat ihm das nie krumm genommen. Dass er dadurch de facto von der katholischen Kirche ausgeschlossen wurde, hat Helga Baumstark, danach gefragt, seinerzeit mit einem Lächeln quittiert: „Mein Arnd“, sagte Helga Baumstark damals, „bleibt Gottes Kind, da kann keine Kirche etwas ändern.“ Das, so könnte man anfügen, dürfte ganz im Sinne jenes “jungen galiläischen Rabbiners” (Brummer) gewesen sein, der die Liebe predigte und den sie vor über 2000 Jahren Jesus nannten, bevor sie ihn an Kreuz schlugen.



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