Mit den Genossen durchs Labyrinth des Münsters
Konstanz (gro) Lieder aus Irland und von Bob Dylan, Glühwein an der Münsterbar und eine grossartige Führung mit Konrad Schatz durch die altehrwürdige Bischofskirche: Die Konstanzer SPD setzte bei ihrem diesjährigen Weihnachtstreff, ganz der Adventszeit entsprechend, auf erwartungsvolle Besinnlichkeit. Die über zwei Dutzend Genossinnen und Genossen wurden andererseits enorm gefordert: Der ehemalige Münstermesmer Schatz beliess es keineswegs bei dem gemütlichen Vortrag, zu dem es sich die Besucher im Chorgestühl bequem gemacht hatten, sondern bescherte den Konstanzer Sozialdemokraten einen teilweise schwindelerregenden Marsch durch die Tiefen und Höhen der schier unergründlichen Gemäuer einer Kirche, deren älteste Bereiche weit über 1000 Jahre alt sind.
Zeugnis für die lebendige Vielfalt des Christentums
Von der vor-romanischen Unterkirche mit dem Sarkophag des Märtyrers Pelagius, dessen Name an den heute zu Sizilien gehörenden Archipel der „Pelagischen Inseln“ mit der berühmt-berüchtigten Flüchtlingsinsel Lampedusa erinnert, ging es über die Mauritiusrotonde samt dem Heiligen Grab und den erhaltenen Teil des Kreuzgangs hinauf in die Domschule und hinein in den ehemaligen Kapitelsaal. Der Saal, in dem sich einst die Kirchenoberen der gewaltig grossen Diözese Konstanz trafen, die vom Gotthard bis in den Norden Stuttgarts und vom Elsass bis nach Kempten reichte, ist heute ein Zeugnis für die lebendige Vielfalt des Zusammenwirkens christlicher Kirchen: Der Saal dient heute verschiedenen christlichen Glaubensrichtungen, vor allem „Kollegen“ (Schatz) aus dem tiefen Süden Europas, der Türkei und des Mittleren Ostens für Gottesdienste.
Schatz topfit, Oberministrant Schindele sorgende Nachhut
Konrad Schatz legte trotz verschlungener Wege, treppauf und treppab, durch schmale Durchlässe in meterdicken Mauern und über sich wendelnde Treppen ein Tempo vor, das den Pensionär alsbald als heimlich durchtrainierten Ausdauersportler entlarvte. Spätestens im Speicher des Mittelschiffs, ganz weit oben im Gotteshaus, wurde offenbar, dass Schatz nur deswegen eine derartige Geschwindigkeit vorlegen konnte, weil am Ende der umherziehenden und immer wieder zu Kurzvorträgen zusammengezogenen Besucherschar ein ehemaliger Oberministrant die Herde der Genossen zusammen hielt, alle durchschrittenen Türen (Schatz: „Frieder, den zweiten Schalter von oben betätigen und das Schloss zweimal schnappen lassen!!“) sorgsam sicherte und auch aufpasste, dass sich kein Sozialdemokrat im Labyrinth des Gotteshauses verlor. Frieder Schindele, stellvertretender Vorsitzender der Konstanzer SPD, hatte als Oberministrant zwar in der Dreifaltigkeitskirche gedient, bewährte sich aber als Herdenzusammenhalter, wie mehrfach versichert wurde, auch im Münster „ganz ausgezeichnet“.
Mit einem Instrument indischer Provenienz
Der ungewöhnliche Charakter des sozialdemokratischen Weihnachtstreffs 2011 hatte sich früh angekündigt. Mit Alex Friedrichs überraschte zum Auftakt im Chorraum der Kirche ein leibhaftiges Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins Konstanz durch ungewöhnliche Klänge und Lieder. Das fing harmlos an mit dem allbekannten „Ihr Kinderlein kommet“, verlor sich ins irische Lied und fand sich träumerisch wieder bei Bob Dylan. Alex Friedrichs und Sarah Fyson entpuppten sich als versierte Musiker an Gitarre (beide), mit Stimme (ebenfalls beide), mit Querflöte (Fyson) und Shrutibox (Friedrichs). Wobei zum zuletzt genannten Instrument anzumerken ist, dass es sich um ein sowohl in Indien wie zum Beispiel auch in Schottland gebräuchliches Instrument handelt (das von den Klangbildern her sogar mal an einen Dudelsack erinnern kann).
Die Oktave wird 22 Mal unterteilt
Eine Oktave (mit 8 herkömmlichen Tonfolgen, deshalb der Name „Oktave“) umfasst bei der Shrutibox 22 so genannte Mikrotöne. Meist wird das handliche instrument, das einem Mini-Harmonium ähnelt und mit einem kleinen Blasbalg betätigt wird, dazu verwendet, melodiösen (Ober- oder Unterton-)Gesang durch einen oder mehrere gleichförmige Töne (Ostinati) zu unterlegen - und dadurch, wie es sich auch beim Weihnachtstreff der SPD im Münster ereignete, reizvolle Klangbilder zu erzeugen. Da haben ausnahmsweise auch mal Konstanzer Genossen im Chorraum des Münsters begeistert geklatscht. Bilder: Frieder Schindele





