Schmerzlich vermisst wird: Lothar Dombrowski
Konstanz/Berlin (gro) Seit er vor drei Jahren der „Anstalt“ und damit dem Fernsehen den Rücken gekehrt hat, fehlt vor allem den Konstanzern etwas. Und jetzt, da es sich bis an den Bodensee herumgesprochen hat, wie sehr Georg Schramm zur Zeit in Berlin einschlägt, ist hierzulande klar: Schmerzlich vermisst wird Lothar Domprowski! Abgängig sind damit neben dem alten Haudegen mit der Handprothese auch jener oft peinlich alberne Oberst Sanftleben und der Drucker Anton, der Sozi. Höchste Zeit, dass Koko-Chef Dieter Bös den Georg Schramm wenigstens zwischendurch mal wieder nach Konstanz holt, am besten gleich ein paar Mal. Denn bald geht womöglich noch sehr viel weniger – wenn Schramm seine Drohung wahr macht und zum Ende des Jahres tatsächlich als Solo-Kabarettist aufhört.
„Über allen Gipfeln ist Wut“
Ruth Schneeberger berichtet in der neuesten Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel „Über allen Gipfeln ist Wut“ über beifallumtoste Auftritte Georg Schramms in Berlin, im Deutschen Theater und bei den „Wühlmäusen“. Es bringt auch nix, schnell mal nach Berlin zu reisen: Mindestens
bis kommenden Samstag sind sämtliche Vorstellungen ausverkauft. Das Publikum „giere“ geradezu nach Schramms „bissigen Analysen des politischen Klimas”, schreibt Ruth Schneeberger. Schramm haue in seinem aktuellen Programm „Meister Yodas Ende – Die Zweckentfremdung der Demenz“ die „Pointen raus. als gäbe es kein Morgen“.
Drei Stunden eine messerscharfe Pointe nach der anderen
Die „Süddeutsche” lässt uns das Kabarett ein bisschen miterleben: „Was ist denn das Böse heutzutage?“, frage Dombrowski. Die Bundesregierung sei „nicht das Böse“. Das Böse müsse gross und mächtig sein, da falle die Bundesregierung „schon mal weg“. Merkel, die FDP, Seehofer? „Höchstens ein Furunkel am Gesäss des Bösen!“ Und das Publikum bebe vor Zustimmung, dazu Gelächter und Freude über „die schier endlose Aneinanderreihung erwünschter Grenzüberschreitungen”. Ein Geisistesblitz toppe den anderen, eine messerscharfe Pointe folge der anderen hinterher, berichtet Ruth Schneeberger.
Warum besonders in Konstanz?
Doch warum vermisst man den Kabarettisten in Konstanz mehr als anderswo? Ganz einfach: Weil er hier besonders viele gute Freunde hat. Und weil am Bodensee alles begann. Schramm, ein gebürtiger Hesse, der nach seiner Entlasssung aus der Bundeswehr Psychologie studierte, arbeitete von 1976 bis 1988 an den Kliniken Schmieder in Allensbach, wo er Betriebsratsmitglied und gewerkschaftlicher Vertrauenmann wurde. Fast wäre er zum hauptamtlichen Gewerkschaftssekretär avanciert – und entschied sich nach einer beruflichen Auszeit fürs Kabarett.
Bis heute immer wieder mal im „Costa“
Der Politkabarettist bleibt Konstanz verbunden durch etliche Freundschaften, etwa mit Uwe Lindner, dem einstigen Betriebsratskollegen, mit Hilde Schneider, der Konstanzer Literaturwissenschaftlerin, Drehbuchautorin und Regisseurin, mit den alten Kumpanen um Alex Friedrich und Jürgen Waidele (um wirklich nur ein paar gute Freunde zu nennen). Und dann ist da auch noch die Verbindung zum guten alten „Costa“, der spanischen Kneipe in der Niederburg, wo er heute zwar nur noch sehr selten, aber immer wieder mal spät abends am Stammtisch auftaucht.
P.S.: „Neues aus der Anstalt“ schlaffte nach Georg Schramms Ausscheiden deutlich ab, und bald dürfte ganz Schluss sein mit der Sendung: Auch Urban Priol, wie dessen Nachfolger Frank-Markus Barwasser (mit Lederhut Erwin Pelzig) zuletzt etwas lustlos wirkend, wird aus der TV-Anstalts-Serie aussteigen. (Fortsetzung höchst ungewiss…) Bild: wikicommons





