Dornröschen » Blog Archive » Statt Wuchermiete lieber Rabattverkauf
Leserkommentare
 
Sponsoren
14. März 2014 | Beobachtungen in der Hüetlinstrasse

Statt Wuchermiete lieber Rabattverkauf

Konstanz (gro) Der kleine Laden nennt sich „Holzprojekt“ und befindet sich am unteren Ende der Hüetlinstrasse, kurz vor dem Bodanplatz, gleich nach dem seit gefühlten Ewigkeiten verlassenen Haus, dem nun früher oder später der Abriss droht. Wären da auf der gegenüber liegenden Strassenseite nicht ein paar Parkplätze zu viel - man würde diesen Abschnitt des rostrot gepflasterten Strässchens als malerisch bezeichnen können. Zur Zeit sind es nicht nur abgestellte Blechkarrossen, sondern auch mehrere Zettel, die an der Idylle kratzen. Zettel, die auf die Innenseite der Schaufenster der „Holzwerkstatt“ geklebt sind. Darauf ein Bekenntnis: „Mieterhöhung um 100 Prozent - nein danke!“ Statt dessen wird angeboten: „30 Prozent Rabatt“ auf sämtliche Artikel, die sich im Laden befinden. Der Ausverkauf läuft nur samstags: Morgen Samstag, am 22. März und eventuell noch am Samstag, dem 29. März.

Die eigentliche Werkstatt ist in der Waldsiedlung

Dass der Rabatt-Verkauf nur an Samstagen stattfindet, hat Methode. Die eigentliche Holzwerkstatt befindet sich in der Reichenau-Waldsiedlung, es ist die Meisterschreinerei Broede + Kleibert GmbH. In der Hüetlinstrasse in Konstanz haben sie seit Jahren ihr Schaufenster, ihren Show-Room, wie das heute heisst. Und der ist in sozusagen traditioneller Weise nur an Samstagen geöffnet (wenn in der Werkstatt in der Waldsiedlung Ruhe herrscht).

Verdoppelung der Mietkosten

Anton Kleibert und Sebastian Broede, die beiden Schreiner, wurden davon überrascht, dass die neue, in Stuttgart wohnende Mitbesitzerin des Hauses, eine wesentlich höhere Miete verlangte wie ihre krank gewordene Mutter, unterm Strich hätten sich Mietkosten mehr als verdoppelt. Es sei jedoch nicht nur „die Mieterhöhung an sich gewesen“, sagt Kleibert, die ihn und seinen Partner zum Rückzug bewogen habe. Entscheidender sei gewesen, „wie eiskalt das vollzogen worden“ sei.

Warum es Mietwucher sein dürfte

Trotz aller Empörung – das Wort „Wucher“ kommt weder Kleibert noch Broede über die Lippen. Und in der Tat geschieht es im gewerblichen Bereich ziemlich selten, Mietwucher nachweisen zu können. Im vorliegenden Fall ist Wucher naheliegend. Denn durch die Forderung, eine doppelt so hohe Miete wie die bisherige zu zahlen, wurden die bisherigen Mieter vermutlich unzulässig unter Druck gesetzt, unter anderem dadurch, dass ihnen bei einem Verlust des bisherigen Mietobjekts zahlreiche zusätzliche Kosten entstünden, zum Beispiel durch den nun erforderlichen Neudruck ihrer Geschäftspapiere, durch die Information von Geschäftspartnern und/oder die Umstellung ihrer Telefonanlage. Bild: Frieder Schindele




 Kommentieren    Trackback    Drucken

Noch keine Kommentare

Neuen Kommentar schreiben ...