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25. Oktober 2016 | Neue Verbindung Konstanz-Lyon

Wenn es den Schweizer Bahnen vor dem Fernbus graust …

Konstanz/Bern (gro) Drei Tage vor Halloween macht der Berliner Fernbusriese FlixBus eine neue Verbindung auf: Konstanz-Lyon, und das gleich fünfmal am Tag, hin und zurück, jeweils über Zürich, Bern und Genf. Die etwa 500 Kilometer lange Fahrt von der Bodenseemetropole bis zu Lyons wichtigstem Bahnhof Part-Dieu dauert, je nach Tageszeit, zwischen gut 8 und etwa 10 Stunden. Der Hammer sind die Preise: Konstanz-Lyon kostet 19 bis 30 Euro; Lyon-Konstanz 19 bis 41 Euro. Das macht die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) nervös.

Gesetze, die die Bahn vor Konkurrenten schützen

Während es der Deutschen Bundesbahn derzeit vor FlixBus-Plänen graust, wonach auf der Destination Berlin-Hamburg ab 2017 pro Tag mit 50 Buspaaren eine Verbindung im 20-Minuten-Takt eingerichtet werden soll, hat die Nervosität bei den Schweizer Bahnen schon im Hinblick auf den bevorstehenden Halloween begonnen. Denn ab Freitag, dem 28. Oktober, reizt FlixBus die restriktiven Gesetze des Nachbarlands aus, wie sie bis 2013 in noch viel schärferer Form auch in Deutschland galten. Es waren und sind Gesetze, die die Bahn vor der Konkurrenz der Busse schützten und (etwa in der Schweiz) weiter schützen sollen.

Brüssel im Dienste des Wettbewerbs

Bis 2013 hatten Fernbusse in Deutschland wenig Chancen; das Geschäft mit Fernreisenden war den mehr oder weniger staatlich beherrschten Verkehrsunternehmen vorbehalten, der Lufthansa und der Bahn AG. Diese Monopolisierung wurde von der Europäischen Kommission zu Gunsten eines ausgedehnteren Wettbewerbs abgebaut. Deutschland war 2013 eines der letzten europäischen Länder, die Fernbusse zuliessen, beziehungsweise zulassen mussten. Die Schweiz dagegen konnte sich als Nicht-EU-Mitglied der Öffnung des Wettbewerbs auf diesem Gebiet weiter entziehen. Doch das ändert sich nun nach und nach.

Im Grunde ist es eine Preisfrage

Auch als Nicht-EU-Mitglied kann die Schweiz ihr Territorium für Fernbusse nicht einfach sperren. Um die Konkurrenz in Schach zu halten, wurde vereinbart, dass Schweizer Fernbusreisende nur dann zugelassen sind, wenn sie entweder im Ausland einsteigen oder ihr Ziel im Ausland haben. Doch solche Einschränkungen, so stellt man jetzt fest, nützen nichts, wenn die Preise niedrig genug sind. Denn dann nimmt zum Beispiel ein in Zürich zugestiegener Fahrgast, der bis Lyon gelöst hat, den Buss gerne auch nur bis Genf, wenn der Preis stimmt: wenn der Busfahrpreis Zürich-Lyon deutlich genug unter dem SBB-Preis Zürich-Genf liegt.

„Für SBB-Chef Andreas Meyer ein Alptraum“

„Die Vorstelllung, dass Fernbusse ihm auf der Paradestrecke Zürich-Bern-Genf Kunden abjagen könnten“, so hat Redekteurin Rita Flubacher gestern im „Zürcher Tagesanzeiger“ geschrieben, sei für SBB-Chef Andreas Meyer „ein Albtraum“. Die Werbung für die neue Bus-Verbindung Konstanz-Lyon komme zwar „auf den ersten Blick unverdächtig daher“, wenn damit gelockt werde, von Konstanz per FlixBus demnächst „ohne Umstieg in die Gourmet-Hauptstadt Frankreichs (unser Bild)“ gelangen zu können. Dass in Konstanz und Umgebung „wirklich so viele Feinschmecker wohnen, dass sie eine über achtstündige Fahrt in Kauf nehmen, um in Lyon zu schlemmen“, müsse sich allerdings erst erweisen, schreibt Rita Flubacher.

Bild: Frieder Schindele




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