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22. Dezember 2016 | Zur Weihnachtsgabe für den Gemeinderat

„Ein gewisser Hauch von Grösse“

Konstanz (gro) Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Diese Volksweisheit beherzigt die Stadtverwaltung dieses Jahr mit einem grossartigen Buch, das gewissermassen aus der eigenen Werkstatt kommt. Jede Stadträtin, jeder Stadtrat hat das Buch „Das Tägermoos - Ein deutsches Stück Schweiz“ als Weihnachtsgabe erhalten. Tobias Engelsing, seit 2007 Chef des Rosgartenmuseums, ist damit ein echter Wurf gelungen. Wie durch ein Brennglas lässt dieses Buch auf knapp 200 grossformatigen Seiten 500 Jahre hochinteressante Heimatgeschichte nacherleben, eine spannende, teilweise skurrile und manchmal grausame Geschichte. Hinzu kommt, dass die Weihnachtsgabe des Jahres 2016 dem immer noch blutjungen Oberbürgermeister Uli Burchardt „einen gewissen Hauch von Grösse“ beschert.

Der „Hauch“ beim gemeinsamen Weihnachtsessen

Ratsmitglieder und zahlreiche Verwaltungsleute treffen sich am heutigen Donnerstag zum traditionellen Weihnachtsessen. Dabei wird auch von jenem oben erwähnten „Hauch“ zu reden sein. Aufs Tapet kam der „Hauch“ vor knapp einer Woche in einer ganz kleinen Runde von Ratsmitgliedern. Eines hatte sich gewundert, dass Burchardt der diesjährigen Weihnachts- oder Jahresgabe zugestimmt habe. Schliesslich sei im Buch zur Geschichte des Tägermoos‘ auch der „Pappelstreit“ des Jahres 2015 enthalten – mit einer kompletten Seite Text und dazu mit Bildern von den gesund stehenden, mächtigen Pappeln und vom darauf folgenden Kahlschlag am Seerheinweg. Ob der Oberbürgermeister das womöglich übersehen habe? Nein, sicher nicht, war die Meinung in der Runde. Man könne Burchardt also „einen gewissen Hauch von menschlicher Grösse“ zubilligen, da er eine peinliche Panne offensiv angehe.

Wichtig sind ausreichend Spätzle oer Spaghetti

Gutes Essen stimmt friedlich, vor allem stärkehaltige Speisen sorgen fürs Abdämpfen der Gemüter. Es ist deshalb zu hoffen, dass beim heutigen Weihnachtsessen reichlich Spätzle (oder wenigstens Spaghetti) gereicht werden. Dann könnte sich auch die weitere Diskussion um ein Amtsblatt realitätsnaher führen lassen, eventuell sogar mit (Holger) Reile & Co. Vor allem, was die Haltung des Stadtoberhaupts angeht, dem von links aussen mangelndes Demokratieverständnis vorgeworfen wird, weil er, Burchardt, den betreffenden Tagesordnungspunkt, einen Antrag der Verwaltung, zurückgezogen hat. Was durchaus demokratischen Regeln entsprach.

Das Missverständnis wegen des Projekts namens Amtsblatt

Hinzu kommt, dass der Oberbürgermeister die Gründe für den Rückzug des Tagesordnungspunkts darlegte: Nach der allgemeinen Bejahung des Ratsgremiums für ein Amtsblatt während der Klausur des Gemeinderats Ende 2015 habe es Ende September 2016 im Hauptausschuss des Gemeinderats eine Zustimmung von 75 Prozent gegeben. Die Zustimmungsrate sei dann bei einer weiteren Beratung nochmals gefallen und im Vorfeld der Gemeinderatssitzung vom vergangenen Dienstag auf 55 Prozent gesunken. Als die SPD-Fraktion – im Gegensatz zu früheren Meinungsbildern – am Vortag der Gemeinderatssitzung signalisiert hatte, sie werde das Projekt Amtsblatt geschlossen ablehnen, und nachdem die Fraktion der Freien Grünen hatte erkennen lassen, sie sei in der Frage gespalten, erschienen dem Oberbürgermeister die zuletzt vorausgeschätzten 55 Prozent zu gering, um fest mit einer Zustimmung rechnen zu können. Mit anderen Worten: Er entschied sich dafür, eine drohende Niederlage zu vermeiden.

„Das Tägermoos“ – leider bereits vergriffen

Zurück zur Weihnachtsgabe: Die Ratsmitglieder können sich glücklich schätzen. Das Buch „Das Tägermoos – Ein deutsches Stück Schweiz“ ist um Handel nicht mehr zu bekommen, das Mitte des Jahres im Südverlag erschienene Buch ist inzwischen vergriffen, Rosgartenmuseum und Buchhandel „bedauern aufrichtig“. Ob eine weitere Auflage gedruckt werden kann, steht noch nicht fest. Das knapp budgetierte Rosgartenmuseum müsste finanziell in Vorlage treten, was zumindest vorläufig kaum zu machen sein wird. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Nachfrage ist so nachhaltig, dass sich weitere Auflagen dringend empfehlen. Auf die Schnelle wäre dem einen oder anderen (oder der einen oder anderen) Geschichtsinteressierten allerdings dadurch abzuhelfen, dass er (oder sie) die hervorragend bestückte Sonderausstellung zum Thema Tägermoos doch noch – oder ein zweites oder ein drittes Mal - besuchte.

Die Ausstellung, die eigentlich am 30. Dezember schliessen müsste, wird wegen des grossen Zuspruchs bis zum 8. Januar 2017 verlängert.



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