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30. Dezember 2016 | So wird Integration verhindert

Das Versagen der Kommunen in der Flüchtlingsfrage

Konstanz (gro) Die Landkreisverwaltung hat es geschafft, in den vergangenen zwei Jahren rund 2500 Flüchtlingen mit einem Dach über dem Kopf zu einer notdürftigen, aber sicheren Bleibe zu verhelfen. Die 25 Gemeinden und Städte des Landkreises dagegen haben versagt. Sie haben in den vergangenen zwei Jahren gerade mal ein Hundertstel dessen an Aufnahmeplätzen rechtzeitig fertiggestellt. Dies geht aus einem Bericht des „Südkurier“ hervor, der diese Woche auf der Bodensee-Seite des Blattes erschien. Redakteur Franz Domgörgen hat seinen zuverlässig recherchierten Bericht unter den sachlichen Titel „Kommunen in der Klemme“ gestellt. Und doch handelt es sich um einen veritablen Skandal.

Aufnahmestationen und Anschlussunterkünfte

Der Landkreis, so ist das bundesweit geregelt, muss für so genannte Erstunterkünfte (auch Notunterkünfte oder Gemeinschaftsunterkünfte genannt) sorgen. Wird ein Flüchtling als Asylberechtigter anerkannt (oder befindet er sich bereits 24 Monate im Land), soll er aus diesen Unterkünften ausziehen in stabilere Unterkünfte, in die so genannten Anschlussunterkünfte. Und dafür haben die Kommunen zu sorgen. Sie hatten dafür im Allgemeinen zwei Jahre Zeit, während der Landkreis je nach Flüchtlingszuweisung blitzschnell handeln musste. Um es abzukürzen: Domgörgen hat ermittelt, dass von den rund 2500 vom Landkreis beherbergten Flüchtlingen aktuell 400 Anspruch haben auf eine Anschlussunterkunft. Und dass es aktuell gerade einmal 25 (!) solcher Wohnplätze gibt.

Die Regeln sind wohldurchdacht

Die Regelungen für Erstaufnahmeeinrichtungen und Anschlussunterkünfte sind wohldurchdacht. Während es zunächst darum geht, den Flüchtlingen eine sichere Unterkunft zu verschaffen, geht es dann um eine möglichst zügige Integration. Mit Sprachkursen, mit der der Vermittlung von Kultur und den (Aus-)Bildungsmöglichkeiten - all das unterstützt durch die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in der neuen Heimat. Das gelingt wie man weiss, nur dann, wenn Vertrauen aufgebaut werden kann. Umso mehr, da unter den Flüchtlingen viele körperlich wie seelisch tief verwundete Menschen sind. der überlange Aufenthalt in Massenenunterkünften, in Turnhallen oder Leichtbauanlagen stehen dem entgegen. Anschlussunterkünfte, in denen wenigstens ein Minimum an Privatheit möglich wird, sind deshalb dringend notwendig.

Politik mit dem Kopf im Sand

Wohl kaum ein weltpolitisch so wichtiges Problem wie das des Flüchtlingszustroms nach Europa aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika ist so lange vorhergesagt und bewarnt, so oft beschworen und so mutwillig ignoriert worden. Inzwischen hat die Flüchtlingsbewegung Mitteleuropa nicht nur berührt: Jetzt muss sich auch Deutschland ernsthaft damit beschäftigen. Anders ist das im Süden Europas, etwa in Italien, wo sich Afrikaner und andere Flüchtlinge seit Jahrzehnten regelmässig als saisonale Billigstarbeiter oder als Arbeitssklaven verdingen. Die demonstrative Ignoranz gegenüber der Imigrationsbewegung mit dem anscheinend festen Willen, möglichst wenig aus den Fehlern unserer südlichen Nachbarn zu lernen, wirkt wie eine Politik, die den Kopf in den Sand steckt – in der vergeblichen Hoffnung, all dies möge sich irgendwie, irgendwann ganz anders ansehen lassen…




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