Dornröschen » Blog Archive » Wessenberg-Galerie öffnet wiedermal die Schatzkammer
Leserkommentare
 
Sponsoren
27. August 2018 | Meisterwerke der Sammlung Wilhelm Brandes

Wessenberg-Galerie öffnet wiedermal die Schatzkammer

Konstanz (gro) Giovanni Battista (Giambattista) Tiepolos „Kopf einer jungen Frau“, mit roter und weisser Kreide 1752 auf türkisfarbenen Grund gezeichnet, ist eines der weit über 400 Meisterwerke, um die Konstanz seit 111 Jahren beneidet wird.
Die weltberühmte Grafik gehört zu den 100 Arbeiten, die zu sehen sein werden, wenn die Wessenberg-Galerie wieder einmal ihre Schatzkammer öffnet, um uns einen Teil der im Verborgenen existierenden Meisterwerke nahe zu bringen: im Dunkeln dahindämmernde, originale Handzeichnungen der Sammlung Wilhelm Brandes. Es sind Arbeiten von Meistern wie Tiepolo, Rembrandt, Peter Paul Rubens, Raffael oder Albrecht Dürer. Die Ausstellung wird Mitte September im Wolkensteinsaal des Kulturzentrums am Münster eröffnet. Sie dauert bis zum 6. Januar 2019.

Lust am Reisen und an der Kunst

Vor 111 Jahren, 1907, wurde der Stadt von jenem Brandes, dem jüdisch-dänischen Bankier Wilhelm Brandes, eine Sammlung weltbedeutender Kunst vermacht, deren Wert heute schier unschätzbar sein dürfte. Brandes, Sohn einer Jüdin und eines Kopenhagener Fabrikanten, war 1876 nach Konstanz übergesiedelt, um die Leitung einer Filiale der Rheinischen Creditbank zu übernehmen. Der reiselustige Junggeselle war ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Er pflegte den Kontakt zu den massgeblichen Galerien seiner Zeit und war eng befreundet mit Heinrich Schmidt-Pecht, dem Konstanzer Maler und damaligen Leiter des Rosgartenmuseums.

Gefährliches Klima für die Kunst

Wilhelm Brandes war ein Menschenfreund. Nicht nur dadurch, dass er seine Kunstsammlung an die Konstanzer verschenkte: Er vermachte sein Geldvermögen in Höhe von 120.000 Goldmark einer Stiftung zur Unterstützung mittelloser Eltern. Die Schenkung seiner Kunstsammlung ist allerdings an eine Bedingung geknüpft: Sie muss in einigermassen regelmässigen Abständen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und das ist gar nicht so einfach. Denn die Stadt hat sich bis heute nicht dazu durchringen können, für ein kunstfreundliches Klima zu sorgen: mit Klimaanlage und Überwachung von Luftfeuchtigkeit, Sauberkeit und Temperatur, wie dies weltweit in Museen, und gerade gegenüber wertvollen Grafiksammlungen, längst Standard ist. Was nicht ist, kann allerdings noch werden, am besten durch einen lebhaften Besucherstrom.




 Kommentieren    Trackback    Drucken

Ein Kommentar

  1. 1. Bruno Neidhart

    Zu “Brandes” habe ich eine hübsche Anekdote: Als ich noch an seiner nach ihm benannten Straße wohnte, wollte ich mal wissen, ob auch andere Anwohner mit dem Straßennamen etwas anfangen können. Also machte ich eine zufällige kleine (kulturelle) Umfrage. Das Ergebnis war ernüchternd. Ich schlug daraufhin der Stadt vor, über (oder unter) den Straßenschildern (es gibt hier nur 2-3) ein kleines “Täfele” anzubringen, um wen es sich bei “Brandes” handelt. Antwort damals: “Dafür ist momentan kein Geld vorhanden”. Ich erwähnte noch, dass ich eines der “Täfele” kostenmässig selbst übernehmen würde. Antwort: “Wir kämen dann auf Sie zurück”. Wahrscheinlich ausserhalb eines Offizialdelekts klebte ich dann vorübergehend (bis zur Vergilbung) die für “Brandes” vorgesehenen Angaben auf Papier an zwei Straßenschildpfosten. Inzwischen sind viele Jahre den Rhein hinunter geflossen. Ob heute über “Brandes” an seiner Straße orientiert wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn ja: Prima! Wenn nicht, so bestünde demnächst zum Anlass einer Ausstellung über Teile der Brandessammlung Gelegenheit. Ob die Stadt heute dazu Geld flottmachen kann, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Kulturgrüße aus Berlin!

Neuen Kommentar schreiben ...