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2. November 2018 | Hat Landau noch 'nen Koffer in Konstanz?

Zusammenhänge - vom Bodensee bis Berlin Mitte

Konstanz (gro) Was haben Lothar Landau (oben, vor seinem Jagdhaus nördlich Berlin), Christoph Nix und Andreas Osner mit einander zu schaffen? Eher nichts, oder kaum etwas, sollte man meinen. Schliesslich ist Landau ein erfolgreicher Berliner Medienunternehmer, während sich Christoph Nix als Intendant des Konstanzer Stadttheaters mit einer partiell unwilligen Kommunalverwaltung herumplagen muss. Und Andreas Osner gibt als Kulturbürgermeister und Sozialdezernent bei einer Hamburger Agentur heimlich unsinnige Gutachten in Auftrag. Und doch hängen die drei Männer zusammen. Die Zusammenhänge reichen vom Bodensee bis in die Berliner Friedrichstrasse. Manche fragen sich: Hat Landau heimlich noch ‘nen Koffer am Bodensee?

Auf der Jagd nach schottischem Rotwild

Als sich der Zusammenhang entwickelte, war Landau, mittlerweile auch schon ordentliche 70 Jahre alt, in den Bergen des Schottischen Hochlands auf Rotwildjagd. Was da währenddessen in seiner Berliner Landau Media AG als Auftrag landete, erfuhr der passionierte Waidmann deshalb verspätet. Es handelte sich um einen Auftrag, der aus Hamburg kam. Von einer Agentur mit dem schönen Namen Nebelung. Die wiederum war vom Konstanzer Kulturbürgermeister Osner eingeschaltet worden. Nebelung wollte von Landau Media ermittelt haben, wo überall auf der Welt über ein bestimmtes Konstanzer Theaterereignis berichtet worden ist, und zwar über Georges Taboris „Mein Kampf“, inszeniert von dem Kabarettisten Serdar Somuncu. Für die Landau Media AG (trotz zunächst befremdlicher Anmutung) ein Routine-Auftrag.

Biologe und Umwelt-Gutachter

Die Premiere der Satire auf den deutschen Nationalsozialismus war von Christoph Nix auf den 20. April gelegt worden, auf „Führers Geburtstag“, wie Tabori das einst empfohlen hatte. Dem Hamburger Agenturchef Frank Nebelung, 54, studierter Biologe und Umweltgutachter, der auch als Kommunikationsspezialist, Unternehmensberater und Coach unterwegs ist, oblag es offenbar zu beurteilen, inwieweit die Inszenierung von Taboris Spottstück mitsamt dem theatralischen Drumherum geeignet war, dem Ansehen der Stadt Konstanz Schaden zuzufügen – ein auswegloses Unterfangen, wie Intendant Nix, ein versierter Jurist, mit Witz, Intelligenz und Schärfe in einer aphoristisch gehaltenen Replik nachwies (an der sich inzwischen auch Lothar Landau ergötzten konnte). Ergänzend sei erwähnt, dass die Fahnder von der Landau Media AG etwa 1.300 Artikel zum erwähnten Thema ermittelten, auch in den USA (etwa in der “New York Times”) und in Japan. Ein “Schaden für Konstanz” dürfte sich dabei kaum abgezeichnet haben können. Das Stück hatte fast nur ausverkaufte Vorstellungen.

Wo genau sind die 17.500 Euro fürs Gutachten?

Weil Bürgermeister Osner das Gutachten in eigener Machtvollkommenheit in Auftrag gegeben und mit Geld aus der Stadtkasse bezahlt hatte, musste er in einer Sondersitzung des gemeinderätlichen Konstanzer Kulturausschusses von allen Seiten massive Kritik und Schelte einstecken. Bis heute blieb er aber die Auskunft schuldig, wie genau das gutachterliche Geschäft abgewickelt worden ist. Ein Trost bleibt. Das Geld, immerhin 17.500 Euro, die Osner ausgerechnet im Bereich Jugendarbeit loseiste, kam zu einem hoffentlich ansehnlichen Teil Landau und seiner Firma zu Gute. Landau war schliesslich einst ein Konstanzer: von 1981 bis 1987 Geschäftsführer der Südwestdeutschen Philharmonie (was weder Osner noch Nebelung gewusst haben dürfte).

Die Philharmonie neu aufgestellt und voran gebracht

Lothar Landau hat seinerzeit, nach seinem Konstanzer Amtsantritt im Jahre 1981, das zuvor reichlich ungelenk verwaltete Sinfonieorchester neu aufgestellt, hat es künstlerisch, organisatorisch und finanziell in Verhandlungen mit der Landesregierung entscheidend vorangebracht, gründete zusammen mit dem Südwestfunk und der Stadt Friedrichshafen das Internationale Bodenseefestival und war Initiator, Mitbegründer und erster Geschäftsführer der Musikschule Konstanz. Als er auf das künstlerische Programm seiner Philharmonie stärker Einfluss nehmen wollte und die Funktion eines Intendanten anstrebte, wollte man ihn nicht länger haben. Längst aber ist ein Geschäftsführer der Südwestdeutschen Philharmonie immer auch der Intendant. Landau war den Konstanzern seinerzeit ein bisschen zu rasch zu tatkräftig geworden. Es war allerdings auch sein Glück.

In der Mitte von Berlin

Denn nach seiner philharmonischen Zeit avancierte der gelernte Journalist, der auch Jura und Forstwissenschaften studiert hatte, in der nahen Schweiz in kurzer Zeit zum Leiter einer Rehabilitationsklinik, dann zum Direktor einer Treuhandgesellschaft und wenig später zum Vizedirektor des Zürcher Modekonzerns Bally. Die Berliner Landau Media AG, die heute knapp 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, wurde 1997 gegründet. Für die Gestaltung des eleganten Neubaus, in den das Unternehmen vor knapp vier Jahren gezogen ist, hat Lothar Landau, worauf er stolz ist, den Schweizer Stararchitekten Max Dudler gewinnen können. Die Landau Media AG in der Friedrichstrasse 30 ist unweit des „Checkpoint Charlie“ angesiedelt. Mehr mitten in Berlin geht kaum. Ein kleiner anerkennender, wenn auch reichlich verspäteter Zustupf aus Konstanz ist angebracht.




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Ein Kommentar

  1. 1. Bruno Neidhart

    Wo die “Mitte” von Berlin ist, ist so eine Sache! Geografisch-offiziell will man den Punkt an der Alexandrinenstraße im Ortsteil Kreuzberg/Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg geortet sehen. Aber “Mitte” nennt sich auch ein Ortsteil des Bezirks Mitte (”Wir treffen uns in Mitte” meint berlinerisch stets den Ortsteil, nicht den Bezirk - kompliziert). Man kann sich eine Mitte in Berlin auch nach individuellen Bedürfnissen auswählen: Museumsinsel, Prenzlauer Berg, Hertha im Olypiastadion, usw. Touris bevorzugen vielleicht den Checkpoint Charlie, den Mauerpark oder die East Side Gallery. Landau Media AG liegen übrigens bereits in Kreuzberg, dürfen sich aber durchaus noch zur “Mitte” zählen. Es ist genau das, was Berlin so umwerfend macht, so vielseitig, so beliebt, so beweglich.

    Wenn Lothar Landau “im Norden von Berlin” jagt und gleichzeitig für Taboris “Mein Kampf” am Konstanzer Theater über Oser-Nebelung an einen kleinen Auftrag kam, sei daran erinnert, dass bereits Könige, Kaiser, “Mein Kampf”-, wie auch DDR-Größen “im Norden von Berlin” jagten (Erich Honecker erlegte noch einen Tag vor dem Mauerfall diverse Hirsche in der Schorfheide - dies nebenbei). Über das Jagen im Norden Berlins und einem Konstanzer Theaterintermezzo lässt sich also tatsächlich, wenn man möchte, einen Bogen zu Lothar Landau herstellen. Ob er “heimlich noch n’en Koffer am Bodensee” hat? Nur wegen dieser Theater-Causa wohl kaum.

    Übrigens: Der erwähnte Schweizer Architekt Max Dudler baut derzeit die neue U5-Station “Museumsinsel” (mit einem gewölbten, leuchtenden Sternenhimmel auf kobaltblauem Grund nach Schinkel!). Diese U5 wird derzeit zwischen Alex und Brandenburger Tor verlängert und findet hier Anschluss an die bereits vorhandene Kurzstrecke über U-Bundestag zum Berliner Hauptbahnhof. Von hier aus könnte man mit der DB auch Konstanz erreichen. Nur bekanntlich umständlich und langsam. Da dürfte Jagen im Norden Berlins einiges spannender und gemütlicher sein. Früher flog es sich wenigstens noch direkt zwischen Tempelhof und Friedrichshafen. Heute nur via Frankfurt. Ob eines Tages der Konstanzer Flughafen…..? Eher nicht.

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