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30. März 2021 | 198 Impfdöschen als Extra-Ration

Bürokratische Zumutung für Impfwillige

Konstanz (gro) Joe Biden hat`s versprochen – und der Präsident hält sein Wort: In den USA wurden bereits so viele Menschen geimpft, dass in ersten 100 Tagen von Bidens Amtszeit weit über 100 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft sein werden. Deutschland brachte es bisher auf etwa 10 Millionen. Winfried Kountz hat in seinem Aufruf, mit dem Impfen in Deutschland endlich ernsthaft voran zu machen, mehrfach kritisch auf die zögerliche Immunisierung hierzulande hingewiesen. Ein kleines bisschen mag das geholfen haben: Zwei Mobile Impfteams schauen demnächst vorbei, um 198 betagten Mitbürgerinnen und Mitbürgern in Konstanz den begehrten Pieks zu verpassen. Beim näheren Hinschauen lassen die komplizierten Umstände erahnen, warum bei uns alles so langsam geht.

Gastspiele am 29. April und 10. Juni

Ein Schreiben von Oberbürgermeister Uli Burchardt (angeblich genannt “O BuB”) mit der Bitte um einen Gemeindeimpftag, adressiert an Landrat Zeno Danner, abgeschickt am 15. März, stand am Anfang der Hilfsaktion. Bereits fünf Tage später kam die Antwort aus dem Stadtteil auf der anderen Seite des Seerheins: Die Bitte werde erfüllt, am 29. April werde ein Mobiles Corona-Impfteam im Bodenre-Forum Station (Bild) machen, um betagten Konstanzerinnen und Konstanzern die ersehnte Spritze zu verpassen. Ein zweites Gastspiel gebe es am 10. Juni.

Die Vorschriften haben es in sich

Abgesehen von der Tatsache, dass zwischen dem ersten Schreiben am 15. März und dem zweiten Termin am 10. Juni nicht weniger als 42 Tage liegen, ein Zeitraum, während dem in den USA voraussichtlich fast 50 Millionen Menschen geimpft werden, hört sich der Vorschlag mit Mobilen Teams und 198 Impfdöschen nicht kompliziert an. Die damit verbundenen Regeln haben es dagegen in sich. Damit sich davon jeder geneigte Leser und Corona-Interessent ein Bild machen kann, veröffentlichen wir die Botschaft der kommunalen Behörde zwar gekürzt, aber, so weit abgeschrieben, im Wortlaut.

Kleines bürokratisches Monster

Es geht hierbei weder um Rechtschreibung noch um Grammatik. Insofern ist die Botschaft aus dem Rathaus tadellos. Es sind vielmehr die Massgaben und Regelungen, die beim Beschreiben fast zwangsläufig fürs Entstehen eines bürokratischen Mönsterchens sorgen, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich an Impfstoffsuchende im Alter von über 80 Jahren richtet.

Die Botschaft lautet unter anderem folgendermassen:

Am 29. April 2021 werden ab 10 Uhr zwei Mobile Impfteams in Konstanz sein. Auch der Zweittermin steht mit dem 10. Juni 2021 bereits fest. Die Impfungen werden im Bodenseeforum in der Reichenaustraße stattfinden.
Impfberechtigt für die Vor-Ort-Impfung sind alle Personen mit vollendetem 80. Lebensjahr sowie deren Partnerin bzw. Partner mit vollendetem 70. Lebensjahr mit gemeinsamem Hausstand. Das Landratsamt erklärt, dass anstatt von ursprünglich vorgesehenen 60 Impfdosen das Angebot für Konstanz auf insgesamt 198 Impfdosen von BioNTech erweitert wurde.
Bereits in der vergangenen Woche konnten sich impfberechtigte Personen, die bisher noch keinen Impftermin erhalten haben, auf eine Warteliste setzen lassen. Diese Liste wird von der Stadt an das Landratsamt gemeldet, das die gemeldeten Personen wegen eines Termins im Kreisimpfzentrum bevorzugt zurückruft.
Diese Liste, für die man sich unter www.konstanz.de/impftermin sowie über die Telefonnummer 0 7531 900 -2278 und -2262 anmelden kann, wird nun auch für die Mobilen Impfteams genutzt. Das bedeutet: Personen, die sich bereits über die Warteliste angemeldet haben, müssen sich für die Mobilen Impfteams nicht erneut anmelden. Die Stadt wird priorisierend nach Alter die Termine der Mobilen Impfteams vergeben – alle übrigen Personen auf der Liste werden dem Landratsamt für einen Rückruf gemeldet..
… Nicht angemeldete Personen können an diesem Tag nicht durch die Mobilen Impfteams geimpft werden.

Gegen weltweite Ungerechtigkeit

In den USA mit ihren knapp 330 Millionen Einwohnern soll bis Ende Mai die so genannte Herden-Immunität erreicht werden. Joe Biden verspricht seinen Amerikanern, dass sie sich auf einen schönen Sommer freuen können. Da der Regierungschef mit internen Streitereien kaum befasst ist, kann er sich dem wichtigsten politischen Problem widmen: dem weltweiten Kampf gegen die Corona-Pandemie. Denn 76 Prozent der bisher produzierten Impfstoffe haben sich die 10 reichsten Länder der Welt unter den Nagel gerissen. Es wäre sicher von Vorteil, wenn sich Deutschland daran beteiligten könnte, dieses verheerende Ungleichgewicht abzubauen. Zum Beispiel durch die industrielle Grossproduktion von zugelassenen Impfstoffen. Vielleicht käme die Bundesrepublik dann selber noch einigermassen rechtzeitig an den begehrten Stoff.

Bild: Frieder Schindele



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2 Kommentare

  1. 1. Thomas Winkler

    „Oberbürgermeister Lothar Burchardt“ was habt Ihr denn geraucht. — Versehentlich getrocknete Pfefferminzblätter (gro).

  2. 2. Harald Volk

    Lothar Burchardt ist der Senior, sein Filius Uli ist der Oberbürgermeister von Konstanz, genannt O BUB. — Danke, ist schon korrigiert (gro)

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