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10. Juni 2021 | „Pflegemassnahme“ im Tägermoos

Kommt eine klitzekleine Gutmachung doch noch?

Konstanz/Tägermoos (gro) An den Stellen der 40 orange-farbenen Holzpflöckchen, die Mitte Oktober 2015 zwischen den Stümpfen der sieben Monate zuvor niedergemachten 41 Pappeln der Allee am Seerhein im Tägermoos Hoffnung signalisierten, sind inzwischen etwas schüchtern wirkende Minibäumchen herangewachsen, gefühlte Lichtjahre entfernt von den einst prächtigen, kraftstrotzenden Pappeln, die da ursprünglich den romantischen Pfad am Seerhein säumten. Nächste Woche „pflegen“ die Technischen Betriebe der Stadt Konstanz diese Bäumchen zwischen Ziegelhof und Kuhhorn.

Es war eine überhastete Aktion der Verwaltung

Obwohl die eigentlichen Bäume gar nicht mehr da sind, wird der Weg, wie das Presseamt der Stadt mitteilt, „vom Ziegelhof bis zum Kuhhorn“ von Montag bis Freitag für den „Durchgangsverkehr“ (für Fußgänger und Radfahrer) gesperrt. Die Allee hatte ursprünglich 116 zum Teil riesengrosse Pappeln, von denen 41 Anfang Februar 2015 in einer überhasteten Aktion der Konstanzer Stadtverwaltung gefällt wurden.

Das Nachpflanzen bezahlte Tägerwilen

Die neuen Pappeln (und das Einpflanzen) zahlte die Gemeinde Tägerwilen. Es waren 40 Bäumchen, jeweils 1,50 bis 1,80 Meter hoch, die bisher nur wenig gewachsen sind. Dass es ausnahmslos Schwarzpappeln sind, nimmt die deutsch-schweizerische Bürgerinitiative, die für den Erhalt, beziehungsweise die Wiederherstellung der Pappelallee kämpft, hin - obwohl es sich bei den vor über sechs Jahren umgenieteten 41 Pappeln um so genannte Hybridpappeln handelte.

Es ist eine besonders robuste Pappelart

Die so genannten Hybrid-Pappeln entstanden vor etwa 100 Jahren aus Kreuzungen von Schwarzpappeln mit kanadischen Pappeln, einer besonders schön und schnell wachsenden, aber auch robusten und und prächtigen Art - wie sie am Seerhein auf (schweizerisch) Tägerwilem, aber (deutsch) Konstanzer Gebiet (westlich vom Kuhhorn) nachweislich und nach wie vor bestens gedeihen.

Neue Lebensräume für Kleingetier

Laut städtischen Konstanzer Baumschützern soll dereinst der frühere Baumabstand entlang der Allee wieder hergestellt werden. Die Abstände hätten sich aus den Stümpfen der gefällten, durchweg kerngesunden Riesenbäume ergeben. Kleiner Trost: Die verbliebenen Baumscheiben durften als wertvolle neue Lebensräume für Niedrigpflanzen und waldaffines Kleingetier erhalten bleiben.

Endlich die Verlängerung bis zum Ziegelhof?

Bei der damals gebildeten Bürgerinitiative zur Erhaltung der Tägermoos-Allee hofft man, dass die Verlängerung der Allee in Richtung Paradies, bis hin zum alten Ziegelhof, verwirklicht werden kann - auch als kleine Wiedergutmachung für die überhastet verfügte Abholzungsaktion im Februar 2015.

Bild: Frieder Schindele



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Ein Kommentar

  1. 1. Bruno Neidhart

    Die Schwarz-Pappel ist bundesweit in der Roten Liste “gefährdeter Arten” eingetragen, lese ich. Insofern eine sinnvolle Nachpflanzung. Wobei die ehemals Entrüsteten ob des rustikalen Kahlschlags an den prächtigen Bastard- Schwarz-Pappeln (Hybride) durchaus zu verstehen sind. Auch ich schlenderte gerne den hübschen Weg entlang. Nun werden sich die kommenden Generationen an den heranwachsenden Pappeln erfreuen. Übrigens meldet Hildegard von Bingen, bei Gicht täte ein lauwarmes Bad mit junger Schwarzpappelrinde gut. Also durchaus gesunde Aussichten am Seerhein! Nur ist, liebe Hildergard, dein Baum leider inzwischen in der “Roten Liste”. Was nun?

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