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9. März 2007 | Es geht ums Gegengeschenk für die chinesischen Freunde

Eine Imperia für den schönsten Garten von Suzhou?

Konstanz (gro) Wird sich in einem der zauberhaften Gärten von Suzhou bald eine Imperia drehen? Sie wäre dann das Konstanzer Gegengeschenk für die Freundschaftsgabe aus der Chinesischen Partnerstadt nahe Shanghai, und zwar für das einer Pagode nachempfundene Buswartehäuschen, das in den kommenden Wochen an der Konzilstraße aufgebaut wird.

Stiegelers Begeisterung blieb nicht verborgen

Alexander Stiegeler soll es gewesen sein, der die Buswartehäuschen in Suzhou immer wieder geradezu verzückt begutachtete und gegenüber seinem Mitreisenden Roland Bunten ob ihrer liebenswürdigen Gestaltung als vorbildlich lobte. Das war vor eineinhalb Jahren, als der FWG-Stadtrat zusammen mit Hauptamtsleiter Bunten in Suzhou die Stadt Konstanz zu repräsentieren hatte. Den chinesischen Gastgebern blieb Stiegelers Begeisterung nicht verborgen. Man froh über Verzückung der “Langnasen” vom Bodensee. Denn endlich wusste man, wie den Partnern im fernen Westen, mit denen man sich seit 2002 verbunden wusste, eine Freude zu machen wäre. Die Angelegenheit wurde im Stadtparlament von Suzhou beraten und für gut befunden. Letztes Jahr wurde das Geschenk angekündigt.

Sechs Baumeister kommen aus Fernost nach Konstanz

Demnächst treffen nun 6 Baumeister aus Suzhou in Konstanz ein, um das voraus geschickte Material für das Buswartehäuschen zusammen- und aufzubauen – auch das ein Geschenk der chinesischen Freunde. Höchste Zeit also, sich in Konstanz zu überlegen, wie man sich zu revanchieren könnte. Da bietet es sich an, an Besuche früherer Delegationen aus Suzhou anzuknüpfen. Auch Bürgermeister Weize Yang war schon in Konstanz, und wer bei Rundgängen durch die Stadt dabei war, dem entging nicht, wie lebhaft sich die Reisenden aus Fernost für Imperia und ihre Geschichte interessierten.

Freies Geleit für Peter Lenk

Bildhauer Peter Lenk, der sich zur Zeit in Rom aufhalten soll, war gestern nicht zu erreichen. In seiner Umgebung ist man jedoch überzeugt davon, dass er gegen eine Mehrfertigung seiner Imperia wenig einzuwenden hätte. Das Konstanzer Werk bliebe schon deshalb das Original, weil eine Ausgabe für Suzhou mit Sicherheit einigen Modifizierungen unterworfen werden müsste. Da der Künstler beim Aufbau und bei der endgültigen Ausgestaltung der chinesischen Imperia selber mitzuwirken hätte, so wurde scherzhaft hinzugefügt, sei allerdings vorab freies Geleit, vor allem im Hinblick auf die Wiederausreise, zu vereinbaren.

Seit 2002 eine Projektpartnerschaft

Suzhou und Konstanz vereinbarten 2002 eine Projektpartnerschaft. Seither gab es mehrere gegenseitige Besuche. Vor allem auf den Gebieten der Abwassertechnik, der Trinkwasseraufbereitung und des Umweltschutzes sucht Suzhou die Zusammenarbeit mit Konstanz. Am Bodensee ist man unter anderem sehr interessiert an High-Tech-Kontakten.

„Das Venedig des Ostens“ als Weltkulturerbe

Eigentlich ist Suzhou ein paar Nummern zu groß für Konstanz. Die 5-Millionen-Stadt mit ihren zahlreichen Kanälen, die leider mehr und mehr verschwinden, ist eine der ältesten und schönsten Städte Chinas. Sie wurde vor 2500 Jahren gegründet. Man spricht vom „Venedig des Ostens“, und tatsächlich ist auch Venedig eine der Partnerstädte Suzhous. Das weitläufige Stadtgebiet hat herrliche Parkanlagen, und so gehört Suzhou zu den vier chinesischen Städten, die von der UNO in die Liste der Städte aufgenommen sind, deren historisches und kulturelles Erbe besonders zu schützen ist.

Seide und die Laptops von Apple

Die Gartenstadt Suzhou, 80 Kilometer nordwestlich von Shanghai am schönen Tai-See gelegen, ist die Hauptstadt des Bezirks Jiangsu, eines boomenden Sonderwirtschaftsgebiets. Noch immer ist die Stadt Zentrum der chinesischen Seidenproduktion. Doch das ist Tradition. Der wirtschaftliche Aufschwung wird eher durch die Tatsache deutlich, dass zum Beispiel Apple dort seine Laptops herstellen lässt. Auch die Firma Robert Bosch hat in Suzhou eine große Produktionsstätte.

Ein See mit 90 Inseln

Der zauberhafte Tai-See mit seinen 90 Inseln und einer Fläche von 2250 Quadratkilometern ist zwar fast fünfmal so groß wie der Bodensee. Doch er enthält bei weitem nicht so viel Wasser. Denn der Tai-See, der drittgrößte Süßwassersee Chinas, ist ein flaches Gewässer, mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 2 Metern (beim Bodensee sind’s im Schnitt 90 Meter). Beide Seen aber gehören zu den wichtigsten Trinkwaserreservoirs ihrer Länder.



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3 Kommentare

  1. 1. Marc Ellegast

    Lieber Herr Gropper,

    welch hervorragend Idee: senden wir eine Prostituierte als “echt konschdanzerisch” ins Ferne China hinaus.
    Dann dürfte endlich auch am anderen Ende der Welt ankommen, dass das kleine Städtlein Konstanz, das einmal das Handelszentrum Europas war, nichts anderes zu bieten hat als Huren.
    Schließlich haben die Konstanzer (oder sagen wir mal ein paar wenige, die sich damals über einen, zugegebener Maßen nicht bindenden, Beschluss der gewählten Bürgervertreter hinweggesetzt haben) ja auch eine Hübschlerin als Wahrzeichen für unsere Heimatstadt gewählt. Mir persönlich jedenfalls stellen sich jedes Mal die Nackenhaare, wenn ich im Sommer ein BSB-Schiff mit Touristen in den Hafen einfahren sehe und die Begrüßung findet in Form einer Hure statt.

    Aber, so wohl die Bürgermeinung, das damalige Konzil hatte ja auch keinerlei Nachhaltigkeit außer der hohen Anzahl an Prostituierten in der Stadt.
    Folgerichtig somit auch gleichzeitig mein Aufruf: ladet Papst Benedikt XVI. für die Konzilfestlichkeiten im Jahr 2014 wieder aus! Sollen doch Huren, Dirnen und Nutten aus aller Welt anreisen, um dieses historische Ereignis gebührend zu feiern. Dann wäre Konstanz endlich in aller Welt bekannt, als die “Stadt der Huren”. - Mehr und vor allem wichtigeres haben wir ja anscheinend nicht zu bieten.

    Arme Heimat, wir tief kann man sinken…

    Traurige Grüße
    Marc Ellegast

  2. 2. Gerd J. Mörsch

    Anscheinend hat das “chinesische Bushäuschen” auch keinen historischen Bezug. Alexander Stiegler hat wohl in Suzhou einfach nur die Optik der fremdländischen Verschnörkelungen begeistert. Meinen Sie denn Herr Ellegast, dass evtl. umgekehrt den Chinesen ebenso einfach nur die gut proportionierten Formen der abendländischen Frauengestalt gefallen könnten? Die Imperia ist eine Kunstgestalt der Ironie. Diese Kunstart hat sich besonders der Künstler Lenk verschrieben und sprengt somit auch den Rahmen der sonst so biederen und unverstandenen Kunst. Auch wenn Sie es so sehen, für mich ist die Imperia kein Nuttendenkmal. Im Altertum wurden solche überproportionierten Frauen oft ohne Hüllen als Sinnbild der Fruchtbarkeit dargestellt (glauben wir jedenfalls). Diese Figuren finden sich jetzt als wohlbehütete Altertumskunst in den Museen wieder. Die Welt hat längst auch die Konstanzer Imperia angenommen. Diese ist auch bei fast allen bildlichen Darstellungen über Konstanz nicht mehr weg zu denken. Vom Konzil und dem Münsterturm gibt es tausendfache Duplikate, zumindest in leicht veränderter Form. Diese alten Konstanzer Wahrzeichen hätten wohl nicht das besondere Interesse der Chinesen geweckt, um sich hiervon Duplikate in Suzhou hinzustellen. Wobei aber der Bezug der neuzeitlichen, ironischen Kunst zum Konstanzer Mittelalter, verquickt mit einer ganzen Portion Erotik, eben das Besondere dieses “Denkmals” ausmacht und wohl auch gerne als Gegengeschenk in Suzhou angenommen wird.

  3. 3. Das chinesisches Buswartehäuschen. Eine neues Erlebnis im historisch alten Konstanz.

    Mal weg vom Leid der Altaner und Nycomedler. Eine tagelange Tiefbaustelle an der Konzilstraße hält uns in Erwartung auf das Geschenk aus Suzhou. Ein tonnenschweres Fundament lässt ahnen, welcher Kollos da aus China installiert wird. Dann, die Chinesen sind da ! Doch was ist das ? Kein Schwerlastkranen und keine Sperrung der Konzilstraße, wegen Montagearbeiten eines chinesischen Buswartehäuschen. Dass hört sich ja an als klopfen die auf Holz. Oder traut man seinen Ohren nicht. Alle Erwartungen einer größeren Hochbaustelle sind dahin. Na ja, einen Grund wird wohl das mit deutscher Gründlichkeit erstellte solide Fundament schon haben. Vielleicht haben die Chinesen aus Suzhou den Konstanzern versehentlich die Fundamentpläne von einem ihrer vielen Wolkenkratzer geschickt, die bestimmt eine erdbebensichere Statik haben. Oder wollte man den Chinesen nur zeigen, auf welchen Fundamenten Konstanzer Buswartehäuschen stehen. Vielleicht waren es auch noch die Planungszeiten, wo man gerne Altanagelder im Sand verbuddelt hat ? Hat evtl. Stiegeler und Bunten falsche Informationen, in Mangel der chinesischen Schriftzeichensprache, an den noch nicht auf globale Verhältnisse in Konstanz eingestellten, neuen Baubürgermeister gesendet. Das chinesische Buswartehäuschen kost ja nix, alles nur geschenkt. Mir kommt das ja wirklich seehr chinesisch vor. Passt eben zum chinesischen Buswartehäuschen, im sonst so schnuckeligen, kleinstädtisch provinzialen Konstanz.

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