Theaterfrau führt Regie beim Konzil-Jubiläum
Konstanz (gro) Eine junge Frau vom Theater soll das fast fünf Jahre währende Jubiläumsfest „600 Jahre Konstanzer Konzil“ managen: Ruth Bader, zur Zeit noch Dramaturgin unter Christoph Nix am Konstanzer Schauspielhaus. Diese Entscheidung traf gestern der Gemeinderat. Wenn alles klappt, kann Ruth Bader einen Monat nach ihrem 34. Geburtstag ihre neue Aufgabe als „Geschäftsführerin Konziljubiläum“ in Angriff nehmen. Sie wird am 26. Februar 34 Jahre alt, und der 1. April soll der Tag sein, an dem Hauptamtsleiter Roland Bunten den vorübergehend wahrgenommenen Job wieder abgeben und in jüngere Hände legen will.
Die Welt auf Konstanz aufmerksam machen
Die Jubiläumsfeierlichkeiten beginnen zwar erst 2014, doch angesichts des anspruchsvollen Wunsches, dass Konstanz fast fünf Jahre lang, bis 2018, erneut die Welt auf sich aufmerksam machen will, sind 5 Jahre Vorbereitung wahrscheinlich eher knapp bemessen. Schliesslich sind seit jener grossartigen und historisch bedeutsamen Kirchenversammlung, bei der ein drohendes Schisma verhindert und, bisher einzigartig auf deutschem Boden, ein neuer Papst gewählt wurde, 6 Jahrhunderte vergangen.
Aus knapp 100 Bewerbungen ausgewählt
Ruth Bader wurde aus knapp 100 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt. Nach zwei Vorauswahlprozeduren waren am Ende drei Frauen übrig geblieben. Eine der drei Kandidatinnen zog ihre Bewerbung zurück, sodass dem Gemeinderat diesen Donnerstag ein Wahlgang genügte, um die Entscheidung zu treffen. Dabei setzte sich Ruth Bader knapp gegen ihre Mitbewerberin Christiane Eidmann aus Münster durch. Zuvor war der Antrag, eine erneute Ausschreibung zu starten, mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden.
Seit 2006 am Stadttheater Konstanz
Die künftige Jubiläumsmanagerin arbeitet seit Juni 2006 als Dramaturgin am Konstanzer Stadttheater, besonders intensiv fürs Jugendtheater. Sie ist ferner unter anderem befasst mit der Spielplangestaltung, mit Sponsoring und institutioneller Förderung des Theaters und sie koordiniert die Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen der Stadt. Sechs Jahre studierte Ruth Bader an den Universitäten Wien und Erlangen Theaterwissenschaften, Neuere deutsche Literaturgeschichte und Neueste Geschichte. Anschließend arbeitete sie bei der Pocket Opera Company in Nürnberg, ging mit Jürgen Flimm zwei Jahre zu den Salzburger Festspielen und für fast drei Jahre als Dramaturgieassistentin und Dramaturgin nach Köln.
Die Baden-Württembergischen Theatertage organisiert
Über ein Jahr engagierte sich Ruth Bader bei den alle drei Jahre stattfindenden Ruhr-Festspielen („RUHRtriennale“). Als Dramaturgin am Theater Konstanz war sie für die Organisation der Baden-Württembergischen Theatertage im Mai 2007 verantwortlich. Seit der Spielzeit 2007-2008 leitet sie gemeinsam mit Felix Strasser das junge theater konstanz.






Wenn man bedenkt, dass Frau Bader mit ihrem Team schon seit drei Jahren mit einer fragwürdigen Jubiläumsfeier beschäftigt ist, die erst 2014 beginnen soll, können jetzt wohl nur noch “spinnerte Ideen” entstehen, denn langsam dürfte das Thema ausgereizt sein. Abgesehen davon, das Bürgers Geld auch hier ohne Nachhaltigkeit erneut sinnlos im Strohfeuer verbraten wird. Wer den fast täglichen, weihnachtlichen Spendenbedarf im SK gelesen hat, fragt sich wirklich ob diese immensen Ausgaben sein müssen und besser eingesetzt werden können.
Bereits schon seit Jahren wird in der Vorbereitung der Jubiläumsfeier viel Geld investiert. Letztendlich sollen 10 Millionen investiert werden. Wenn man aber heute eine 11jährige Schülerin aus Konstanz fragt, ob sie was über das Konstanzer Konzil weiß, kennt sie allenfalls „das alte, große Haus am Hafen“. Hier wächst noch lange nicht zusammen was zusammen gehört. Erstaunlich, dass man bei diesem, jetzt für wenige Jahre geplanten, hochluxseriösen Geschichts- und Kirchenfest, bereits schon seit Jahrzehnten versäumt hat, der nachwachsenden Bevölkerung im mittleren Schulalter die Konstanzer Geschichte nahe zu bringen. In den Unterrichtsfächern steht hier aktuell die Ägyptische Geschichte und die Steinzeit auf dem Programm (Theo-Realschule). Da dürfte das Unterrichtsmaterial, extra gefertigt zur Jubiläumsfeier, die wertvollste, aber auch die geringste Ausgabe für diese Feier sein.
Anlässlich eines Artikel von Hr. Leipold bei Seemoz erlaube ich mir, meine Gedanken zum Konzil auch hier anzufügen:
Jürgen Leipold zum Konziljubiläum: Weniger wäre mehr
http://www.seemoz.de/moment-mal/jurgen-leipold-zum-konziljubilaum-weniger-ware-mehr/comment-page-1/#comment-2677
Mir gefällt eine Kleinigkeit am Artikel von Hr. Leipold nicht: erst jetzt scheint man sich Gedanken über die Eckdaten eines Projektes zu machen; der Eindruck entsteht, dass man nur den finanziellen Rahmen von 6-8 Mio. festgelegt und das Motto ausgegeben hat: “macht mal eine schöne grosse Marketing-Showâ€.
Das Konzil kann man insofern feiern, dass sich die ganze “damalige Welt†zur Krisenbewältigung in der Stadt getroffen hat. Tiefere Einblicke in die Verfahrensweise von politischen damaligen politischen Handeln dürften das Nachdenken über die Gegenwart beflügeln. Heutzutage sind viele Religionen in Europa vertreten. Das Abfackeln von 2 Reformatoren, denen zuvor freies Geleit worden war, dürfte auch heute nicht als ruhm- und heldenreich gelten.
Das Ereigniss sehe ich eher als ersten kleinen Vorboten des 30-jährigen Krieges etwa 200 Jahre später, der zusammen mit Pest Europa ziemlich entvölkert haben soll. Zynisch kann man Europa feiern als stetiger Selbstversuch, durch zahlreiche Kriege den Frieden schätzen zu lernen; da hat die technische Entwicklung der Atombombe seit 1950 aber grössere Anerkennung verdient.
Wahrscheinlich wäre es besser und günstiger, das Thema Konzil und Mittelalter in den Grundzügen darzustellen und dadurch angeregt eine wissenschaftliche Vortragsreihe oder Diskussion über Fragen und Probleme der “heutigen Welt†durchzuführen. Das Konzil dürfte sich auch dazu eignen; bei Bedarf auch Uni-Säle. Mit Hilfe von Video-Aufzeichnung lassen sich die Erkenntnisse über Youtube verbreiten und evtl. sogar mit englisch-deutschen Untertiteln versehen. Man muss ja nicht (nur) dem CH-Wirtschaftsforum in Davos Konkurrenz machen; die Themenvielfalt ist heute viel grösser als im Mittelalter.
Allein schon, dass während dieses Spektakels zwei Kirchenreformer, die man mit falschem Versprechen zum “Fest†geladen hatte, bei lebendigem Leibe verbrannt wurden, verbietet solch eine Jubelschau.
Konstanzer seid ihr denn von Sinnen, dass ihr das grausige Mittelalter mit 8 Millionen Euro, oder mehr, feiern wollt?
Wo ist euer Anstand, eure Moral, ja eure Ethik geblieben?
Selbst die Institution Kirche schämt sich, solch ein Fest zu fördern.
Wie viele Tausend Nutten werden während der Feiern, wie zur Konzilzeit, Konstanz belagern? Welche Scheiterhaufen sollen wen verbrennen? Authentisch bleiben lb. Frau Bader!
Kommt jetzt eigentlich der Papst?
Der Papst? Mit dem Rollator übern Münsterplatz??
Das wäre die verdiente Strafe..
Wird denn jetzt der Lenk’sche Papst in der Touristinformation wieder aufgestellt?