Hans-Helmut Straub liest Wilhelm von Scholz
Konstanz (gro) Wilhelm von Scholz polarisiert, über Tod und Grab hinaus und bis weit hin jenseits aller eigentlichen Werkkenntnis des einst als Dichterfürsten gefeierten und dann als Nazifreund teilweise restlos verdammten Wahlkonstanzers, der 1874 als Sohn des ersten deutschen Finanzministers geboren wurde und 1969 in Konstanz starb. Zum besseren Kennenlernen des geschätzten wie verhassten Konstanzer Dichters liest Hans-Helmut Straub kommenden Sonntag um 11 Uhr in Schloss Seeheim aus Werken von Wilhelm von Scholz.
Jürgen Klöckler hat die Ausstellung realisiert
Während die baden-württembergischen Literaturtage Lähmungserscheinungen zeigen - was den Besuch und die Organisation angeht -, entwickelt die Auseinandersetzung mit Wilhelm von Scholz eine eigene Dynamik: Die Ausstellung mit Dokumenten aus dem Nachlass des wegen seines Verhaltens im Dritten Reich umstrittenen Dichters sorgt für Gesprächsstoff. Die Eröffnung der Ausstellung
in Schloss Seeheim, dem ehemaligen Wohnsitz Wilhelm von Scholz‘, war mit mehr als 130 Besuchern üppig besucht. Ausgerichtet und kuratiert hatte die Ausstellung Jürgen Klöckler, Chef des Konstanzer Stadtarchivs.
Die Franzosen hatten auf „Mitläufer“ erkannt
Der drei Tage später folgende Diskussionsabend über den - nach Einschätzung der französischen Besatzungsmacht - als “Mitläufer” im Nationalsozialimus eingestuften von Scholz, toppte diese Zahl noch erheblich. auch die letzte Veranstaltung in dieser Reihe, eine Lesung mit Scholz-Texten mit dem Konstanzer Schauspieler Hans-Helmut Straub am kommenden Sonntag, 1. November, um 11 Uhr, dürfte ihr Publikum finden.
Umbenennung zurückgestellt
Nicht zuletzt die Ausstellung in Schloss Seeheim und die daraus resultierende Diskussion dürfte dazu beigetragen haben, dass der Gemeinderat die Entscheidung darüber vertagte, den nach dem Dichter benannten Wilhelm-von-Scholz Weg umzubennenen. Das Grab der Dichterfamilie, Ausgangspunkt der jüngsten Debatte, ist inzwischen vom Regierungspräsidium Freiburg zum Denkmal erklärt worden. - Die Ausstellung in der Villa Seeheim (Eichhornstrasse 86) ist Teil der Literaturtage; sie dauert noch bis Sonntag, 1. November, und ist täglich von 14 bis 18.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Foto: Frieder Schindele | TMW






Passend zu den Literaturtagen gibt es beim SK ein Video “Pfarrer bewahrt DDR-Bücher vor der Müllhalde”. Die Story spielt im Raum Göttingen und handelt von über 1 Mio. Büchern. Die Meinung, daß man sich so “einfach seiner Vergangenheit entledigen wollte” ist sicherlich etwas allgemein.
http://www.suedkurier.de/videos_neu/?bcpid=3706342001&bclid=3612778001&bctid=46658939001&refer=homepage
Persönlich habe ich als Besucher der DDR immer einen Teil des (Zwangs-) Mindestumtauschs (30 West-Mark je Tag) in Bücher “angelegt” und mit an den Bodensee gebracht. Es waren dt. Klassiker und Weltliteratur (allerdings auch Brecht). Sofern man die umgetauschte DDR-Mark nicht vollständig “drüben” lassen wollte, gab es nur sehr beschränkte verfügbare Produktgruppen.
Das “sozialistische Nachwort” war unleserlich, da man sich nie mit diesen politischen Begriffen in der Schule beschäftigen mußte und ohne Hintergrundwissen das ganze eher wie sinnlose Verwirrung vorkam: das Lesen einer kleinen Seite des Leipziger Reclam-Verlag-Heftes reichte für die Ewigkeit. Eigentlich Grund genug für etwas Respekt gegenüber DDR-Bürgen, die den Marxismus-Leninismus tagtäglich lesen mußten.
Nach einigen Jahren Wiedervereinigung und ca. 2 Jahren Studium im Ostharz habe ich diese Bücher im Rahmen einer großen Entmüllungsaktion in den Semesterferien als Altpapier bei der Kläranlage entsorgt. Die Original-BRD-Bücher zur allg. und Regionalgeschichte des Bodenseeraumes wurden an der FH-Bücherei abgegeben; andere Themenbereiche wurden auch in die große Mulde geworfen.
Sofern die obigen 1 Mio. Bücher doch nicht alle von DDR-Bürgern stammen, dürften sich Ossis und Wessis doch nicht allzu sehr fremd sein - zumindest im Raum Göttingen. Ein Hoffnungsschimmer bei meiner Bitte um eine differenzierte Betrachtungsweise (und etwas Nachsicht).
Es gibt noch ein weiteres Video zur DDR beim SK:
Margot Honecker feiert 60 Jahre DDR
http://www.suedkurier.de/news/brennpunkte/art407,4009998
Mit dem Spruch “die DDR hat Spuren hinterlassen” hat Sie recht; allerdings sollte man es als Warnung verstehen, da es aus den neuen BL schon Sonderbares zu berichten gibt.
Wernigerode liegt am Nordrand des Harzes in S-Anhalt.
Von einem kleinen Parkplatz abseits im Wald bin ich einen lang ansteigenden Fahrweg Richtung Brocken hochgelaufen.
Ziemlich kaputt kam ich wieder zurück auf den Parkplatz, als es plötzlich von hinten murrt “früher hat man noch gegrüßt”.
Ein Rentner kam mit kleinem Hund aus einem Seitenweg, worauf ich auch den Kleinstwagen bemerkte.
Meine automatische Antwort “Ich habe früher Verwandte in der DDR besucht und kenne die Begrüßungen. Ich bin an der Fachhochschule und hier im Städtchen haben sich Ost und West vermischt und so einfach ist das nicht mehr zu erkennen.”
Darauf hat er erwähnt, daß er früher an der Grenze bei Bad Harzburg gewesen ist.
Ermüdet hatte ich eine frische Dusche und das Bild vom stempelnden Ost-Beamten im Sinne (so etwas wie Klein-Venedig in Konstanz).
Da ich Gedanken-versunken nicht reagierte, hat er von Szenen aus der Freizeit mit Freunden in der DDR erzählt.
Mir wurde durch das konzentrierte Zuhören schwarz vor den Augen und etwas benommen bildeten sich seine Bilder und gleichzeitig eigene Erlebnisse.
Sprachlos war ich plötzlich doch in einer anderen Zeit.
Plötzlich unterbricht er sich selbst und klopft mir mehrmals auf die Schulter und verabschiedet sich, indem er mir alles Gute wünscht und ich sollte mich ja nicht erkälten, da ich vom Sport durchgeschwitzt war.
Etwas nachdenklich begab ich mich zum Auto und damit ins Studenten-Wohnheim.
Mein Fazit:
Immer mal wieder in die neuen BL fahren; erst wenn man nicht mehr gegrüßt wird, ist die Wiedervereinigung auch emotional vollzogen.