Dornröschen » Blog Archive » Die Mutter der Gemeinde
Leserkommentare
 
Sponsoren
23. November 2009 | Sonja Nissenbaum 80 Jahre jung

Die Mutter der Gemeinde

Konstanz (gro) Roman Herzog hat vor 14 Jahren dafür gesorgt, dass der 27. Januar zum deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt wurde. 60 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee, am 27. Januar 2005, gehörte Sonja Nissenbaum erneut zu den Ehrengästen beim Gedenkakt. Es war so kalt wie noch nie an diesem Tag, und bis auf die in warme Decken gehüllten ganz hohen Damen und Herren Regierungschefs froren alle Gäste wegen der Verspätung eines besonders wichtigen Staatsmannes so erbärmlich, dass sich einige ausgekühlte Gäste davonstahlen. Auch Gideon und Benjamin Nissenbaum machten Anstalten, sich von ihrem eisig gewordenen Warteplätzen zu erheben. Sie hatten die Rechnung ohne ihre Mutter gemacht. „Ihr rührt euch nicht vom Fleck“, zischte Sonja Nissenbaum, „denkt lieber daran, in welcher Eiseskälte es die Menschen damals im Konzentrationslager aushalten mussten.“

Es ist kein Wunder, dass Sonja Nissenbaum nach wie vor als „Mutter der Gemeinde“ respektiert und verehrt wird. An diesem Wochenende hat sie ihren 80. Geburtstag gefeiert, diesmal wärmstens geborgen im engsten Familienkreis.

„Weil ich regelmäßig Sport treibe“

Irgendwie ist es eine Sensation, dass diese Frau jetzt das achte Lebensjahrzehnt vollendet hat. Man sieht ihr dieses fast schon biblische Alter beim besten Willen nicht an. Und Sonja Nissenbaum hat dafür Verständnis: „Ehrlich gesagt“, setzt sie charmant hinzu, „ehrlich gesagt fühle ich mich selber allerhöchstens wie 60.“ Ebenso „selbstverständlich“ erledigt sie ihren Haushalt komplett und ganz alleine. „Wahrscheinlich“, so gibt sie ein wenig Einblick in ihre Privatsphäre, „bin ich so gut in Form, weil ich regelmäßig Sport treibe.“ Das sei im höheren Alter „besonders wichtig“.

Eine von Disziplin bestimmte Haltung

Nein, als Joggerin sei nicht unterwegs, weder in der Sigismundstrasse noch im Wallhausen, wo sie für ihre große Familie und jede Menge Gäste haushälterisch tätig ist. Sonja Nissenbaum ertüchtigt sich mit Hilfe zweier festinstallierter Fitnessräder, im Übrigen vor allem durch eine von Disziplin erfüllte Haltung, die ihren Tageslauf von früh bis spät bestimmt. Dazu ist sie die amtierende Präsidentin der Nissenbaum-Familienstiftung, mit deren Hilfe allein auf dem grossen, wieder erstandenen Friedhof im Warschauer Stadtteil Bordò rund 380.000 jüdische Grabstätten rekultiviert wurden. In der Stiftung ist Sonja Nissenbaum, wie die Söhne Benjamin und Gideon versichern, “heute tonangebend”.

Begegnung im Hilfswerk

Ihren Mann, den legendären Shimon Nissenbaum seligen Angedenkens, Begründer der Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz-Freiburg (später nur Konstanz) lernte sie schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg kennen. Beide arbeiteten damals für ein Hilfswerk, das sich um versprengte ehemalige Häftlinge und Gefangene des nationalsozialistischen Regimes kümmerte. Die Begegnung war lebensentscheidend. Sonja, die sich im Theaterfach engagiert und in Berlin bereits eine Grundausbildung als Balletttänzerin absolviert hatte, entschied sich für Shimon, und zwar ganz und gar. Und damit auch für die Israelitische Kultusgemeinde. Dort leitete sie Jahrzehnte lang die Chewre Kadisha, eine Frauengruppe der Gemeinde, die sich nach einem Todesfall um die betroffene Familie kümmert und die rituelle Totenwaschung vornimmt.

Sie wird es ihnen an nichts fehlen lassen

Sonja Nissenbaum, eine ebenso großherzige wie großzügige Frau, ist nach wie vor so etwas wie die Mutter, die gute Seele der Gemeinde. Nur sehr schweren Herzens hat sie die – politische - Entscheidung akzeptiert, dass die Räumlichkeiten im Hochhaus Sigismundstrasse künftig nicht mehr der Kultusgemeinde zur Verfügung gestellt werden können. Doch „ganz privat!“ bereitet sie dort jetzt schon das Chanukka-Fest vor, das jüdische Lichterfest, das dieses Jahr am Abend des 11.Dezember beginnt und über eine Woche dauert. „Ganz privat“ sind dann zum Chanukka-Fest über eine Woche lang alle jüdischen Gemeindemitglieder willkommen. Mutter Sonja, die Mutter der Gemeinde, wird dafür sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt.



 Kommentieren    Trackback    Drucken

6 Kommentare

  1. 1. DetlevKuentzel

    Über 30 Jahren jünger als Frau Sonja Nissenbaum ist mir heute beim Jogging im Wald eine Schnaps-Idee zum Thema eingefallen:

    Könnte man nicht die Finanz-Zuschüsse von Stadt und Land an die “neutrale” Famlien-Stiftung z.H. Frau Sonja Nissenbaum (anstelle einer Gemeinde) mit gewissen Wünschen bzw. Auflagen vergeben (sozusagen als Treuhänderin und Bauherrin)?

    Mögliche Auflagen:
    — Errichtung einer Synagoge
    — Einigung bzw. Zusammenführung einer Religionsgemeinde
    — Förderung des kulturellen und religiösen Lebens der gesamten jüd. Gemeinde

    So wie Frau Sonja Nissenbaum hier beschrieben wird, wäre die Moderation dieser Konflikte dann in die Hände einer älteren weisen Frau gelegt, die eine Einigung zw. den jüd. Gruppen herbeiführen könnte.
    Die Stiftung hat ein großes Wirkungsfeld und Bedeutung und die Leitung gute Kontakte zur jüd. Kirchen-Leitung, so daß eine Moderation erfolgreicher sein dürfte als eine städt. Moderation in KN; ein Baubeginn könnte dann davon entkoppelt werden.

    Dieser kuriose wahnwitzige Gedankengang basiert auf den Eindrücken dieses Blogbeitrages von DR und die Abwandlung der Frage “kann sich KN ein Konzerthaus leisten” in “kann sich KN den Nicht-Bau einer Synagoge leisten”.
    Die rechtlichen und politischen Spielräume waren leider unbekannt, so daß der Kommentar nur als Gedankenanregung gelten sollte.

  2. 2. U.Lindner

    Das ist ja en Ding: Weil(?) Sie 30 Jahre jünger als Frau Nissenbaum sind, ist Ihnen, Herr Kuentzel, beim Joggen (soll heißen, Frau N. kann wegen ihres Alters nicht mehr joggen?) eine Schnaps-Idee eingefallen, nicht die erste, wie ich registriere. Darf man in diesem Zusammenhang annehmen, daß Sie einen Flachmann dabei hatten? Dabei geschieht es nämlich manchmal, daß man in Unkenntnis der “rechtlichen und politischen Spielräume” einen “kuriose(n), wahnwitzige(n) Gedankengang” erwischt, wie es nun Ihnen geschehen ist. Wir Leser bewundern natürlich Ihren Mut, diesen Waaaahnsinn von Ihnen mitgeteilt zu bekommen. Es ist wahrhaftig kaum zu fassen, wie - Flachmann hin oder her - ein solcher Gedankengang ein menschliches Gehirn mitten im Wald erleuchten kann! Darf ich vielleicht sogar von einem Damaskus-Erlebnis sprechen, das Ihnen wie einst dem Apostel Paulus widerfahren ist? Seien Sie doch aber bitte nicht so bescheiden, wenn Sie nur von einer “Gedankenanregung” sprechen. Nichts da: Hinaus in die Welt damit (wie eben auch der Apostel Paulus es getan hat) und lehret alle Völker, damit sie wissen, was einem Jogger, der 30 Jahre jünger als Frau N. ist, alles in einem Konstanzer Wald beim Joggen einfallen kann, wie gesagt: Flachmann hin oder her! - Bleiben Sie dran und weiterhin kreativ und immerzu ab in die Wälder! In Ihnen steckt noch mehr, holen Sie´s raus, was da verborgen brodelt! Haben Sie auch mal überlegt, ob “dornroeschen” nicht einige Nummern zu klein für Ihre “Schnaps-Ideen” ist? (Ich erinnere wieder an den Apostel Paulus) Mit Verlaub: Aus einem verzagten Arsch kommt auch kein fröhlicher Furz (Luther). Also lassen Sie`s im deutschen Blätterwald richtig krachen!

  3. 3. DetlevKuentzel

    Sehr geehrter Herr Lindner,

    Ihr Text ist für mich unverständlich und unleserlich und erinnert mich zu sehr an marxistisch-leninistische “Gesammelte Werke” vergangener Zeiten, so daß ich nach der 3. Zeile nicht mehr weiter gelesen habe.

    Dank Internet kann die Web-Community (also auch ich bei Interesse) verfolgen, wie die Vorhaben in der Stadt sich entwickeln und von welchen Gruppierungen diese dann wie bewertet werden.

    Für weiteren Lesespaß ist also gesorgt.

    mfg D. Küntzel

  4. 4. U.Lindner

    Sie sind ein Phänomen, Herr Kuentzel! Sie haben 3 Zeilen eines unleserlichen (Brille!) und unverständlichen (nachdenken!) Textes gleichwohl gelesen, der die Stichworte Joggen, Frau N. und Schnapsidee enthielt, und ordnen diesen für Sie unleserlichen und unverständlichen Text Marx und Lenin zu, die ja bekanntlich ihre Hauptwerke dem Joggen, Frau N. und den Schnapsideen gewidmet haben. Vielleicht könnten Sie dem Publikum folgende Fragen beantworten:

    1) Wie gelingt es Ihnen, einen unleserlichen Text zu lesen?
    2) Wie können Sie einen für Sie unverständlichen Text einer bestimmten Form von Literatur zuordnen (wobei ich noch davon ausgehe, daß Sie nicht die geringste Ahnung von Marx und Lenin haben)?

    In Wahrheit ist es doch klar, daß Sie alles gelesen und sich dann entschlossen haben, nur 3 Zeilen gelesen und nichts verstanden zu haben, um nicht noch einnmal auf ihren “kuriosen Wahnwitz” eingehen zu müssen, wofür Ihnen dann doch der Dank der Leserschaft gebührt!

  5. 5. Steve

    Lieber Herr Lindner,
    Ein ausdrückliches Dankeschön an Sie , für Ihre Mühe.
    Als Leser von dornroeschen hat man sich mittlerweile schon daran gewöhnt,dass Kommentare ausschließlich von 2-3 “Extrem” miteilungsbedürftigen Herren abgegeben werden.Ich bete täglich,dass mal einer davon mit seinen genialen Ideen
    entdeckt wird.
    Bis dahin bleibt mir wohl nur das tägliche joggen im Wald ….um zu Versuchen zu verstehen…

  6. 6. DetlevKuentzel

    Sehr geehrte Herren,
    meinen Schuldspruch habe ich akzeptiert; Berufung wird keine eingelegt.
    Als Dankeschön erlaube ich mir einen Buchhinweis, den ich vor wenigen Tagen mit Lesen angefangen habe. Das Thema Judentum, NS-Zeit, Holocaust u.a. waren doch zu emotional und führten dann doch noch noch zu ein paar Loggings.
    Ein schönes Weihnachtsfest.
    mfg D.K.
    ——————-
    Buchtip
    Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen
    von Frank Schirrmacher (Autor)
    18 Euro = 240 Seiten

    http://www.amazon.de/Payback-Informationszeitalter-gezwungen-Kontrolle-zur%C3%BCckgewinnen/dp/389667336X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1259343948&sr=8-1

Neuen Kommentar schreiben ...