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3. November 2010 | Jetzt kommt auch noch Zeeman nach Konstanz

Textile Lektion zur Globalisierung – mit Überraschungen

Konstanz (gro) Die niederländische Zeeman-Gruppe eröffnet am kommenden Dienstag am Fischmarkt in den Räumen der ehemaligen SEB-Bank (vormals BfG) eine weitere Filiale ihrer Textil-Einzelhandelskette, die mittlerweile etwa 1100 Läden umfasst. Damit lässt sich in Konstanz ein weiteres, global agierendes Modeunternehmen nieder. Die häufig abschätzig beurteilten und gelegentlich verteufelten Ketten mit Einkaufsbüros in Shanghai, Singapur und Hongkong, warten beim näheren Hinschauen mit manchen Überraschungen auf, auf jeden Fall mit Lehrbeispielen in Sachen Globalisierung.

H&M gibt es demnächst drei Mal in und um Konstanz

Hennes & Mauritz, H&M, der schwedische Textileinzelhandelsriese, gilt als erfolgreichstes Unternehmen seiner Branche. H&M beschäftigt aktuell in 37 Ländern etwa 76.000 Mitarbeiter in 2000 Geschäften. Noch vor 10 Jahren hatte H&M wenig Interesse gezeigt, auch in Konstanz einen Laden aufzumachen. Die Konstanzer, so hiess es seinerzeit bei H&M, würden sich gerne in St. Gallen, auch in Zürich und sogar in Singen mit H&M-Textilien eindecken; eine eigene Filiale in Konstanz sei nicht gerade viel versprechend. Inzwischen ist H&M hierzulande bald drei Mal vertreten: im Lago Konstanz, im Karussell (Coop) in Kreuzlingen und demnächst, laut einem Bericht des „Südkuriers“, auch im ehemaligen Woolworth an der Marktstätte.

Jede Woche eine neue Filiale in Europa

Doch zurück zu Zeeman, dem niederländischen Unternehmen, das am 8. November am Konstanzer Fischmarkt ein Geschäft auf etwa 250 Quadratmetern aufmachen wird. Die Holländer eröffnen allein diesen Monat, im November 2010, zehn neue Filialen, je 3 in Frankreich, Belgien und Deutschland, dazu ein neues Geschäft im heimischen Holland. In den bestehenden, rund 1.100 Filialen werden pro Jahr rund 60 Millionen Kunden bedient. Zur Unternehmensphilosophie gehört die „Achtung vor dem Menschen und der Umwelt“. Besonders stolz ist man bei Zeeman auf das aktuelle Zertifikat von Dun&Bradstreet, das dem Unternehmen bescheinigt, ein äusserst zuverlässiger und kreditwürdiger Partner zu sein. Fast jede Woche, heisst es bei Zeeman, eröffne man derzeit irgendwo in Europa eine neue Filiale.

20.000 Mitarbeiter erzielen 1,2 Milliarden Euro Umsatz

KiK, zumindest in Deutschland alleroberster Preisbrecher in Sachen Jungtextilien, ist in Konstanz schon etabliert, und zwar am Zähringerplatz. Das zur Tengelmann-Gruppe zählende Unternehmen mit zuletzt 20.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro kam in die Kritik der DGB-Gewerkschaft ver.di, weil es, wie es hiess, Mitarbeiter ausspähe und zu Dumpinglöhnen beschäftige. Auch Arbeitsbedingungen in Zulieferländern werden kritisiert. KiK (das Kürzel steht für “Kunde ist König”) wurde vor 16 Jahren in Unna gegründet.

Fast 100 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich

Auch Pimkie gehört zu einer in Konstanz vertretenen, international agierenden Einzelhandelsgruppe. Diese Gruppe, zu der auch die vor allem in Osteuropa engagierte Orsay-Ladenkette gehört, wird von der nordfranzösischen Familienholding der Mulliez dirigiert. Die Gruppe zählt mit ihren etwa 3 Dutzend Ketten zu den besonders interessanten Handelszusammenschlüssen Europas. Nicht zuletzt deswegen, weil sie über die meist riesigen Auchan-Märkte mit dem Imperium der Familie Berlusconi verbandelt ist, deren Silvio immer noch als Römer Ministerpräsident regiert. Pimkie verfügt über ein europaweites Netz von 650 Filialen und wirbt mit der „Femininsierung als Geschäftsmodell“. Dieses Konzept wurde bereits weitestgehend durchgesetzt: 96 (!) Prozent aller Beschäftigten bei Pimkie sind weiblichen Geschlechts.



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2 Kommentare

  1. 1. tortugabodensee

    Und wieder eine Ladenkette in Konstanz, auf dass unsere Stadt -was das Einkaufserlebnis betrifft- bald genauso aussieht wie hunderte andere deutsche Städte auch. Der individuelle Einzelhandel hat kaum mehr eine Chance, die Bank gibt keinen Kredit (”Ach wissen Sie, im Einzelhandel machen die meisten innerhalb der ersten 3 Jahre wieder dicht!”), die Mieten sind kaum bezahlbar und die Werbung in unseren lokalen Gratisblättle (Accent, Kultblatt etc.) ist unerschwinglich. Und was tut unsere städtische GmbH, das Stadtmarketing? Veranstaltet Oldtimer-Treffen, Reingschmeckten-Abende und Kinderfeschtle. Toll, das stellt man sich ja auch wirklich unter StadtMARKETING vor, nicht wahr?

  2. 2. curnonsky

    Die „Spielwiese zur bezahlten Ausübung privater Interessen und Hobbys“ hat wohl weniger mit dem Einzelhandel zu tun als der „Verein zum Zwecke der Beschäftigung guter Freunde“.
    Das eigentliche Problem jedoch: Die Nachfrage nach Kleidung aus Plastik und sonstigem Abfall ist so groß, weil Armut durch Hartz IV, Billiglöhne, Zeitarbeit etc. existiert. Die Wechselbeziehung zwischen Armut und Schrottläden wie im Artikel erwähnt: Armut wird von ebendiesen Ramschern durch Drittlandproduktion mit zumeist erbärmlichen Arbeitsbedingungen und inländische Niedriglöhne (wahrscheinlich wieder drei Minijobs + ein schlecht bezahlter Sklaventreiber am Fischmarkt) maximal gefördert. Wer dort einkauft/ einkaufen muss, kauft auf Grund miesester Qualität nicht nur viel zu teuer, sondern unterstützt auch noch die zynische Spirale von Ausbeutung, eigener Armut und Globalisierungsverarschung.

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