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19. November 2011 | Therapie für Therapeuten

Nur gesunde Ärzte sind gute Ärzte

Konstanz (gro) „Oremus, ut mens sana in medico sano“ („Beten sollte man darum, dass in einem gesunden Arzt ein gesunder Geist sei“). Dieses leicht abgewandelte Zitat aus den Satiren des römischen Dichters Juvenal (60 bis 127 vor Christus) mag Pate gestanden haben, als sich zum Fasnachtsauftakt am 11.11.11 fast zwei Dutzend Führungskräfte des Konstanzer Klinikums entschlossen, sich für eineinhalb Tage einer Freiburger Unternehmensberatung anzuvertrauen, und zwar in der Absicht, die jüngsten „Auseinandersetzungen und die daraus entstandene Zerrissenheit an unserem Klinikum“ zu verarbeiten und zu überwinden. Herausgekommen ist dabei eine robuste Solidaritätsbekundung: das einstimmige Votum, „dass Herr Ott weiterhin Geschäftsführer des Klinikums bleiben soll“. Der Personalrat war zu dieser Therapie für die führenden Klinikumstherapeuten nicht eingeladen. Auch Bürgermeister Claus Boldt kam nicht in den Genuss des mentalen Sanierungsversuchs.

Ein Unwille, der in Rücktrittsforderungen mündete

Man habe während dieser Klausurtagung „einen ersten grossen Schritt gemacht, alle Probleme, die zum Teil über Jahre entstanden sind, aufzuarbeiten“, heisst es in einem Schreiben der Krankenhausleitung an die Fraktionen des Stadtparlaments, wo sich angesichts anhaltender Konflikte ein Unwille aufgebaut hat, der zu Rücktrittsforderungen gegenüber massgeblichen Mandatsträgern und Managern geführt hatte. Vor allem der Sozialdezernent, Bürgermeister Claus Boldt, und Klinikumsdirektor Rainer Ott, gerieten in die Schusslinie. Die Rücktrittsforderungen sollen in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag kommender Woche behandelt werden. Das Schreiben mit dem Bericht von der therapeutischen Klausurtagung wird deshalb von etlichen Mitgliedern des Gemeinderats als Beschwichtigungsversuch angesehen.


Nur die Chefs, aber nicht das Fussvolk?

Kritisch gesehen wird von Adressaten des Schreibens vor allem die Tatsache, dass an der geschilderten Klausurtagung nur leitende Kräfte des Klinikums teilgenommen haben, nicht aber Vertreterinnen und/oder Vertreter des Personals, das schliesslich die allermeisten Beschäftigten stellt. Dabei ist es, wie es in dem Schreiben der Klinikleitung weiter heisst, in der Klausurtagung nicht zuletzt darum gegangen, „die kritische Distanz zwischen vielen Mitarbeitern und den leitenden Personen“ zu hinterfragen; man habe ferner unter anderem „die Konflikte zwischen Klinikleitung und Personalrat“ behandelt, die „Zunahme der Arbeitsbelastung in allen Bereichen“ und „die Auseinandersetzung mit Prof. Müller-Esch“.



„Ein Krankenhaus, dem man sich gerne anvertraut“

Teilnehmer der therapeutischen Klausurtagung waren die Chef- und Belegärzte, die Pflegedirektorin, Klinikumsgeschäftsfüher Rainer Ott und leitende Mitarbeiter der Verwaltung. Das Schreiben endet mit dem Versprechen, dass man alles tun werde, „um ein Umfeld zu schaffen, in dem wir, die Unterzeichnenden, mit allen Mitarbeitern in gegenseitiger Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen zusammenarbeiten können“. Geschlossen stehe man dafür ein: Für „ein funktionierendes Krankenhaus, dem man sich gerne anvertraut“.



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2 Kommentare

  1. 1. metapha

    Eine fehlende Firmenphilosophie ist durch eine solche “professionelle Moderation” wohl nicht ernsthaft zu ersetzen. Wenn sich erwachsene Menschen, zumal überwiegend in Führungsposition von fremden sagen lassen müssen wie man sich zu benehmen hat und das man sich gegenseitig Respekt entgegenbringen soll sagt das doch viel über das bisherige Miteinander aus. Früher gingen die Teilnehmer solcher Veranstaltungen abschliessend noch über glühende Kohlen um das Selbstwertgefühl und die Gruppendynamik kleiner, überforderten möchtegern Manager zu fördern. Das fand ich schon damals lachhaft, habe ich doch solchen Veranstaltungen desöfteren beiwohnen dürfen. “Begeisterung wecken. Begeisterung leben” Scheinbar ganz einfach, wohl zu einfach für viele – hätten die Unterzeichner dies doch die letzten Jahre aus eigenem Antrieb leben können und gleichsam damit ihre soziale Kompetenz unter Beweis gestellt. Der Gang über die glühenden Kohlen steht den Mitarbeitern allerdings mit der Kreislösung noch bevor.

  2. 2. Kultur

    Wollen wir mal so sagen: Immerhin gibt es jetzt Überlegungen, dass uns Steuerzahlern nicht noch mehr Arbeitsprozesse zugemutet werden können. Aber hierfür wird dann erneut viel Geld für die Schulung bezahlt. Besser wäre gewesen, man hätte gleich die richtigen Führungskräfte eingestellt. Den Schwarzen Peter haben doch die, die unfähig sind, gute Führungskräfte einzustellen.

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