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18. März 2019 | Kreuzlingen und Konstanz

Nachbarn, die sich (zumindest zeitweise) anschweigen

Konstanz (gro) Touristen und anderweitig Ortsfremde sind oftmals baff erstaunt, wie das deutsche Konstanz und das schweizerische Kreuzlingen stellenweise scheinbar grenzenlos in einander übergehen, und das, obwohl sich da eine waschechte EU-Aussengrenze mitten durch ein gemeinsames Stadtgebiet zieht. Im krassen Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass sich die beiden Kommunen offensichtlich beharrlich anschweigen.

“Wenigstens einmal im Jahr”

Nicht ein einziges Mal haben sich - laut den Grünen - Konstanzer Ratsmitglieder „in den vergangenen Jahren“ mit offiziellen Entscheidungsträgern Kreuzllngens getroffen. Für die Freie Grüne Liste (FGL), die grösste Fraktion des Konstanzer Stadtparlaments, Grund genug, regelmässige Treffen Konstanzer und Kreuzlinger Kommunalpolitiker zu fordern und womöglich zu institutionalisieren. Wenigstens einmal pro Jahr, finden die Konstanzer Grünen, sollten künftig solche öffentlichen, doppelstädtischen Konferenzen stattfinden.

Zahlreich ist der gegenseitige Nutzen

Die FGL hat ihre Anregung von Oberbürgermeister Uli Burchardt auf die Tagesordnung für die Gemeinderatssitzung am kommenden Donnerstag gesetzt bekommen. Bei der Behandlung des Themas wird man den Freien Grünen sagen, dass es immerwährende, laufende Kontakte zwischen Konstanz und Kreuzlingen gibt. Schliesslich werden die Abwässer der Nachbarstadt in der Konstanzer Kläranlage geläutert, das Gaswerk Konstanz, um ein weiteres Beispiel zu nennen, bediene nicht nur Kreuzlingen, sondern schweizerische Kommunen rheinhinab bis nach Steckborn, während auf der anderen Seite zum Beispiel Konstanzer Kultureinrichtungen wie das Stadttheater oder die Philharmonie durch Zuschauer und Zuschüsse aus Thurgauer Gefilden Nutzen ziehen.

Die zwei grössten Städte am Bodensee

Alle längst existierende Zusammenarbeit, so sehen es kommunalpolitische Beobachter, kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass eine Menge gemeinsam interessierende Themen öffentliche Debatten von Entscheidungsträgern der beiden Städte verdienen - und auch nötig haben: Das beginnt bei den Verkehrsproblemen und endet damit, dass beide Städte die jeweils „Grössten“ sind: Konstanz, die grösste Stadt am Bodensee, Kreuzlingen die grösste Stadt des Thurgaus an Bodensee und Seerhein.

Bild: Frieder Schindele




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Ein Kommentar

  1. 1. Bruno Neidhart

    “Die zwei grössten Städte am Bodensee” sind die beiden K’s nicht. Konstanz (84′000) ist zwar tatsächlich die grösste am See, Kreuzlingen (22′000) immerhin die grösste am Schweizer Bodenseeufer. Und sie ist eigentlich in Konstanz geboren, seit Bischof Gerhard III. um 1100 grenzüberschreitend die Cella “cruzelin” einrichtete, aus der schliesslich das augustinische Kloster entstand, dessen Gebäudekomplex mit der Klosterkirche St. Ulrich und Afra noch heute das geschichtliche Stadtwahrzeichen bilden.

    Es stimmt schon, dass sich die beiden Städte im Prinzip nicht viel zu sagen haben. Nur wenn wiedermal etwas anstehen sollte, was beide betreffen könnte, kommt Bewegung ins Spiel. So besonders bei kommunaltechnischen Dingen. Das ist der offizielle Teil. Der tagtägliche sieht schon anders aus. Da gehen beide Seiten regelmässig nur - oder immerhin - Begehrlichkeiten nach, die sich zwischen Kultur, Freizeit, Sport und Kommerz bewegen können. Und diese Palette ist breit vorhanden, wobei beim Kommerz vieles vom gegenseitigen Geldwert abhängig ist. Man erinnert sich an die Zeiten, in denen massenweise Nüdeli, Kafi, Schoggi, Zucker, usw. über die Grenze nach Konstanz geschippert wurde - oft geheim! Derzeit läuft der Transfer deutlich umgekehrt. CH-Grenzer sind heute zu Steuer-Stempelbeamten auf- (oder ab-) gestiegen.

    Eine erfolgreiche Zusammenarbeit hat sich dagegen zwischen der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) und der Universität Konstanz entwickelt. Zudem ist das Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) als Aninstitut der Universität Konstanz in Kreuzlingen angesiedelt. Ebenso die Geschäftsstelle der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBN) als grenzüberschreitender Verbund unter Hochschulen im erweiterten Bodenseeraum (Deutschland. Schweiz, Vorarlberg, Liechtenstein).

    Einen deutlichen Knax gab es mal in der nachbarschaftlichen Beziehung, als sich Konstanz von der Beteiligung an der Bodenseearena verabschiedete. Die damals euphorisch zu gross gebaute Eishalle (bis zu 6000 Plätze) wurde später mehr durch fernsehtaugliche Schlichtunterhaltung bekannt.

    Der Versuch, hier gemeinsam den Bereich Klein Venedig zu gestalten, stammt von einem europäisch ausgeschriebenen Wettbewerb. Er wurde anschliessend grenzüberschreitend schubladisiert. So gilt hier das Deutsch-Schweizerische Oktoberfest neben der architektonisch zweifelhaften Fischhalle als das grenzenloseste Event an dieser “Schokoladenseite” zum See, wo die Grenzlinie nie verschwand, heute figurativ das kollektive Gedächtnis visuell weiter bestimmt..

    Über die wahre Beziehung beider Orte (Kreuzlingen ist erst seit den 40er Jahren Stadt) wäre mal historisch eingehend zu forschen. Begegnungen scheinen zum Beispiel in den 20er-30er Jahren einiges “intimer” gewesen zu sein. Soviel hörte man zumindest von unseren Vorfahren. Kleiner Einblick: Engstler’s Biergarten (Kastanienbäume) an der unteren Markstätte als damals ultimativer Treffpunkt D-CH! Er musste einem öden Zweckbau weichen und fehlt der Stadt. Er wäre heute Kult!

    Umgekehrt wäre daran zu erinnern, dass an der Kreuzlinger Konstanzerstrasse, kurz nach dem Übergang Eimmishofer Tor, der damals erfolgreiche Kreuzlinger FC halbprofessionell agierte und viele Konstanzer anzog. Das Kleinstadion (für einige Tausend - mit gedeckter Tribüne!) ging ebenso im neuzeitlichen Bausturm unter, wie Engstler’s.

    Und so läuft es halt so, wie es läuft. Wobei noch zu bemerken wäre, dass in Kreuzlingen 55 Prozent Ausländer wohnen, davon 6-7000 Deutsche. In den Nachbargemeinden Bottighofen und Tägerwilen soll der Deutsche Anteil noch grösser sein (wohl steuerbedingt). Wenn also Kommunalpolitiker “hüben mit drüben” reden, basiert es mindestens einwohnermässig sehr deutschlastig.

    Was sich die FGL von gegenseitigen Treffen vorstellt, weiss ich nicht. Dass man sich treffen sollte, darf unter Nachbarn dagegen als eine ziemlich normale Angelegenheit eingestuft werden.
    Nächstes Treffen Oktoberfest? Auweia…..

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