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6. August 2019 | Bestattung unter Bäumen

Ruhe sanft im Mainauwald

Konstanz-Litzelstetten (gro) Die Stadt Konstanz bekommt einen Naturfriedhof für so genannte Baumbestattungen. Er wird eingerichtet an der Nordostseite des Litzelstetter Waldfriedhofs. Die Mainau GmbH stellt dafür fast 90 00Q Quadratmeter (8,8 Hektar) Wald zur Verfügung. Erste Bestattungen sind bereits in der zweiten Septemberhälfte möglich. Die Einweihung des Naturfriedhofs ist für Mitte des kommenden Monats vorgesehen.

Nur biologisch abbaubare Urnen

Für eine Grabstelle, in die eine biologisch abbaubare Urne am Fuss eines Baumes in die Erde versenkt wird, wird eine Basis-Gebühr in Höhe von 516 Euro fällig. Im Bereich eines Baumes sollen im Allgemeinen etwa sechs solcher Grabstellen eingerichtet werden: Für Familien oder einen Freundeskreis. Es wird ferner so genannte Gemeinschaftsbäume geben, wo die Urnengräber „einzeln an unterschiedliche Nutzungsberechtigte“ vergeben werden, wie es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung heisst.

Nicht nur „Eingeborene“

Das Nutzungsrecht einer Grabstelle umfasst 30 Jahre und kann auf Antrag verlängert werden. Erwerben lässt sich so ein Nutzungsrecht bereits zu Lebzeiten. Platz ist nicht nur für „eingeborene“ Konstanzerinnen und Konstanzer. Auch Auswärtige können sich ein solches Nutzungsrecht sichern. Der Wald soll sein natürliches Erscheinungsbild behalten. Bei dem Forst, der im Eigentum der Mainau verbleibt, handelt es sich um einen Mischwald aus Laubbäumen, weitgehend frei von Unterholz.

Eigens gegründet: Die „Mainau Ruhewald GmbH“

Unterhalten und gepflegt wird der Naturfriedhof von der eigens dafür gegründeten „Mainau Ruhewald GmbH“. Die rechtliche Trägerschaft des neuen Friedhofs übernimmt die Stadt. Entsprechende Verträge sind bereits unterschrieben. Zu den Aufgaben der Stadt gehören überwiegend Verwaltungsaufgaben, etwa das Führen des Bestattungsregisters, die Gebührenabrechnung oder die Organisation der Bestattungen.

Bild: Frieder Schindele



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3 Kommentare

  1. 1. Bruno Neidhart

    Besonders unter spätadligen Waldbesitzern hat sich die aktuelle Beliebtheit, um einen Baumstamm herum urnenbestattet zu werden, in den letzten Jahren wie ein Lauffeuer als neuer Geschäftsbereich etabliert. Ein Ende ist nicht abzusehen. Antwort auf eine zunehmende kirchliche Distanziertheit? Zum erfolgreichen Management einer solchen Wald-Einrichtung braucht es in der Regel eine ganze Infrastruktur, die dann auch beworben wird. Beispiel aus meiner Nähe: Grosser Parkplatz, behindertengerechte Toilette, Urnenstele aus “Harzlachtenkiefer”, der Wanderweg um den See führt direkt über das Areal, Gartencafé in der Nähe, usw. (Zitate aus einem diesbezüglichen Werbeschreiben). Vielleicht hat alles einfach auch mit einem - wiedermal - “Zurück zur Natur” nach Jean-Jacques Rousseau zu tun. Andererseits wird gleichzeitig vom einem klimatisch möglichen Waldsterben berichtet. Es wird also rundwegs spannend um unseren Wald. Übrigens werden (z.B. in der Schweiz) neben Erd- und Baumbestattungen auch Wiesen-, Bach-, See-, Feuer-, Weltraum-Bestattungen, usw. angeboten - sogar diamantene (Asche zu Diamant!). Die Auswahl glänzt also fast überirdisch.

  2. 2. lieselotte schiesser

    Die “Friedwälder” in der Schweiz (und auch die in Deutschland, die ich kenne), kommen ohne das ganze Brimborium aus, das Herr Neidhart da schildert. Einfach ein Waldstück, in dem unter Bäumen Urnen bzw. Asche bestattet wird. Da der Zweck der Übung ein naturnahes Begräbnis ist, braucht’s da auch keine Wasserstellen oder Blumenläden oder gar Cafés. Letzteres gibt’s auf “normalen” Friedhöfen ja auch nicht. Die Toilette ist vermutlich eine Frage der Grösse der Anlage. Was die Bestattungs-/Friedwälder nun mit dem “klimatisch möglichen Waldsterben” zu tun haben sollen, erschliesst sich mir nicht. Im Schwarzwald und in der Schweiz sterben grössere Baumbestände ganz ohne Friedwald ab - es wird einfach für bestimmte Baumarten zu warm in unseren Niederungen (und zu trocken in regenarmen Sommern). Ob da nun zu Füssen des Baums noch Asche bestattet wurde, ändert nichts - wirkt höchstens als Dünger. In der Schweiz geht man mit der Bestattung von Asche aus Kremationen einfach sachlicher um als in Deutschland, wo auch dafür eine Friedhofspflicht besteht. Die Urne mit der Asche Ihrer Angehörigen können Sie in den meisten Kantonen gerne auch nach Hause mitnehmen und ins Bücherregal stellen. Da von dieser Asche keine Infektionsgefahr o.ä. ausgeht, gibt es keinen Grund, einen Aufbewahrungsort vorzuschreiben. Ich vermute, die steigende Vorliebe für Waldbestattungen hängt weniger mit Kirchenferne sondern eher mit gestiegener (und wirtschaftlich oft unumgänglicher) Mobilität zusammen: Ein herkömmliches Grab auf einem deutschen Friedhof existiert 20 Jahre (Urnengräber meistens auch mindestens 15) und sollte in dieser Zeit gepflegt werden. Und anders als z.B. in der Ostschweiz, wo das die Gemeinden übernehmen, ist das in Deutschland ja Sache der Angehörigen. Grabpflege wenn man 200 oder noch mehr Kilometer entfernt wohnt, kann ganz schön aufwendig werden.

  3. 3. Bruno Neidhart

    Ein “klimatisch mögliches Waldsterben” hat - bis auf Widerruf - selbstverständlch nichts mit Waldbaumbestattungen zu tun, liebe Frau lieselotte schiesser. Da haben sie etwas nicht in meinem Sinnzusammenhang interpretiert (Schwamm drüber). Ob man in der Schweiz “sachlicher mit Asche aus Kreamatorien umgeht” als in Deutschland, weiss ich nicht. Es geht dabei grundsätzlich um Respekt, um Würde. Findet man in unseren grenzenlosen Breitengraden ziemlich überall. Das mit dem “Bücherregal” ist hingegen schon speziell. Sowas könnte vielleicht doch eher mal zum Eso-Bereich tendieren. Eidgenossen/-genossinnen sind womöglich nicht ganz unempfänglich. Es geschäften mindestens eine gehörigen Menge Heiler und Wahrsager etwa zwischen dem Appenzeller- und dem Bernerland (schon Gotthelf wandte sich gegen das “Kurpfuscherwesen”). Wem’s nützt, tut’s ja gut - sag ich mal! Und wenn ich schon beim Geschäftlichen bin - hier noch eine kleine Anekdote zu Waldbestattungen: Kenne eine diesbezügliche Anlage (in D), auf der “Bestattungen mit Seeblick” deutlich teurer sind, als nur mit Baum-, Busch- und Laubblick. Ganz hoch oben allerdings schimmert ein Stück Himmel dann doch noch für alle zum gleichen Tarif…..

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