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16. Oktober 2020 | Arbeits-Tempo der Stadtverwaltung: Ohne Limit

Flott oder langsam - beides kann falsch sein

Konstanz (gro) Dieser Schwerlaster (Bild) aus Ulm ist im Frühsommer von der unteren Hofhalde empor gebraust auf die obere Hofhalde. Kein noch so schlanker Kinderwagen hätte zwischen Lastwagen und beidseitigem Mauerwerk gepasst, und auch Katzen sowie Ratten und anderes Nagegetier taten gut daran, sich in Sicherheit zu bringen. Denn die kurze Strecke dort ist eine Falle. Obwohl diese (unter Umständen tödliche) Falle, die Fahrten in beiden Richtungen erlaubt, seit über 30 Jahren besteht, hat es die Stadtverwaltung nicht fertig gebracht, sie zu beseitigen oder wikungsvoll zu entschärfen.

„Komplexität“ als Entschuldigung

“dornroeschen.nu“ hat mehrmals über die „Hofhalden-Falle“ berichtet, besonders ausführlich am 1. April 2007, verbunden mit Hinweisen auf die städtischen Planungen und Massnahmen im Jahr 1994. Die Stadtverwaltung erklährte die anhaltende Verzögerung mit dem Hinweis auf die „Komplexität“ der Angelegenheit; ein Argument, das besonders häufig vorgetragen wird, wenn es um Massnahmen geht, die von gemeinderätlichen Gremien seit langem vergeblich angeordnet worden sind.

Gegen populistische Gruppen

Das Thema Arbeitstempo stadteigener Betriebe und Behörden ist von Oberbuergermeister Uli Burchardt, der sein Amt behalten möchte, hoechstpersöhnlich in den Wahlkampf eingebracht worden, als er bekannte, er sei sich mit seinem Mitbewerber Luigi Pantisano „in der Sache“ (Klimaschutz, Verkehrspolitik, Wohnungsbau und Nachhaltigkeit) weitgehend einig, nicht aber im Hinblick auf das Tempo, die damit verbundenen, populären bis populistischen Ziele zu verfolgen.

Das Volk war dagegen

Ob es beim Erreichen von Zielvorstellungen auf die Geschwindigkeit ankommt, bleibt fraglich. Das zeigen kommunalpolitische Konstanzer Ereignisse in schonungsloser Klarheit. Jahrzehnte lang war seitens der Verwaltung mit Unterstützung von international engagierten Investoren und einer stabilen Gemeinderatsmehrheit für ein Tagungszentrum samt Konzerthaus und Casino-“Paradies“ geworben worden - bis all das in einer Volksabstimmung weggeworfen wurde.

Der kommunalpolitische Galopp war vergebens

Ohne Volksbefragung und nur einige Monate lang ging es dagegen darum, das obsolet gewordene Gebäude der Entwicklungsfabrik von Centroterm an der Konstanzer Reichenaustrasse in Teilen für ein Veranstaltungshaus, das nun „Bodenseeforum“ heisst, an Land zu ziehen - um es, zumindest voruebergehend, in ein gigantisches Groschengrab zu verwandeln. Mit anderen Worten: Kommunalpolitischer Galopp lohnt sich selten, allzu zoegerliches Handeln allerdings ebenfalls nicht.

Bild: Frieder Schindele



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Ein Kommentar

  1. 1. Bruno Neidhart

    Das Scheitern der ziemlich letzten Möglichkeit, das Konstanzer Seeufer auch kulturell stadtattraktiv zu gestalten, wie es andere Seestädte vormachten (Bregenz, Friedrichsshafen, Luzern, usw.) ist ein Beispiel, wie schwer es sein kann, in der “Stadt zum See” etwas zu bewegen, das über das Alltägliche hinaus ragt. Das Fehlen eines Konzerthauses für ein anerkanntes Orchester hatte damals sogar einen grünen OB wachgerufen. Das Zusammenwirken mit einer überschaubaren Konferenz- und Tagungseinheit (KKH), inklusive Hotel (ev. Casio!), plus Parkgelände, hat die Bevölkerung dann allerdings deutlich “weggeworfen” bis rasiert.

    Überblickt man heute die Bemühungen am Seerhein (ehemaliges Fabrikgebäude Centroterm), die ja anfänglich von der Bevölkerung und vom Rat “gefühlt” gar nicht so schlecht beurteilt wurden ist zu konstatieren, dass die Verwerfungen, mit denen man hier zu kämpfen bemüht ist, in vielen Teilen auch darauf zurückzuführen sind, dass der Bau eben nur als Umbau eine andere Funktion bekommen sollte. Nachbesserungen/Ergänzungen sind dann in der Regel ebenso unstabil, wie es bereits die Uridee verkünden musste.

    So gesehen war damals eine OB-grüne Annahme, die “Stadt zum See” auf neue Art für Jahrzehnte zu prägen, durchaus bemerkenswert komplex. Die Bevölkerung sah das dann, wie beschrieben, anders. Die Gegnerschaft traute weder der “Hochkultur” (Konzerthaus), noch dem gesamten Ensemble als synergetische Einheit, was dann hätte funktionieren sollen. Und die Nachwirkungen sind bis heute zu spüren. Kaum meldet der OB ein Konzerthaus neben Bodenseeforum und Autobahnbrücke an, reagiert die gleiche ideologische Gegnerschaft wie damals mit Widerstand.

    Kaum erstaunlich: Als sich damals in einer Diskussion zum verblichenen KKH eine Person mit der Feststellung meldete, “si solled zerscht mol d’Löcher i de Wollmadingerstross fligge”, war schon zu fragen, was Löcher im Asphalt der Wollmatingersraße beispielsweise mit der Südwestdeutschen Philharmonie zu tun haben könnten. Politik hat es meistens schwer, komplexe Sachverhalte auf eine Linie zu bringen mit der Hoffnung, breit verstanden zu werden. Galoppierend geht das sowieso nicht. Geht im Populismusjargon einfacher.

    Tatsache ist, dass noch immer auf Klein Venedig ein Seeuferareal bereit steht, das derzeit ziemlich verkümmert, doch wirkmächtig die Stadt befruchten könnte. Mit Bruzzelplatz und Tischtennisplatten wird das nicht gelingen. Und Oktoberfestmusik ist quasi die Antithese zu Philharmonischem. Wobei ich keine “kulturelle Wertung” vornehme sondern meine, dass hier, geschickt geplant, für Konstanz langfristig und fest noch immer etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft zu planen wäre, dabei der “Kulturgedanke” nicht ganz verschwinden sollte. Er gehört zum Salz der Stadt.

    Nun wirft der aktuelle OB tatsächlich noch rasch eine Idee in den Raum (Südkurier), was auf Klein Venedig alles zu entstehen hätte. Dabei wird auch auf den Nachbar verwiesen, mit dem zusammen geplant werden sollte. Nun, die Kreuzlinger haben dort u.a. viel Outdoor-Sport angesiedelt, der noch lange bestehen bleiben wird, hat doch z.B. der FCK von der Stadt eine “Planungssicherheit” verpasst bekommen die besagt, dass sich hier vor 10-15 Jahren nichts bewegen würde.

    Für das grenzüberschreitende Gelände ist sogar mal ein Europäischer Gestaltungswettbewerb ausgelobt und präsentiert worden (im Turm zur Katz). Beide Städte waren womöglich “erschüttert”, was hier alles attraktiv zu gestalten wäre, etwa eine Stegverbindung zum Kreuzlinger Stadtzentrum über die vielen Geleise hinweg, oder eine rückwärtige Kanalverbindung zwischen Konstanzer- und Kreuzlinger Schifffahrtshafen. Ab ins Archiv.

    Zwischen Klein-Klein und Verblüffung ist viel Platz, Konstanz weiter zu gestalten. Wobei ein Mittelweg der politisch unbescholtenste zu sein scheint. Ob immer konstanzgerecht für die Gestaltung von Zukunft wäre dann noch eine andere Frage.

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